Einstellung: Das “Zünglein an der Waage”?

Alles Einstellungs-Sache? Alles Einstellungs-Sache? So gehen Sie professionell mit dem Thema Einstellung um.

Einstellung, das ist wie eine Kurzformel für Ihre persönliche Wirkung.
Etwas volkstümlicher könnte man sie auch mit „Der Ton macht die Musik“ umschreiben.

Häufig ist die innere Einstellung entscheidend, wenn es zu einer Einschätzung wie z.B. „Farbloser Typ irgendwie“ oder „ schon’n überzeugendes Auftreten“ kommt.

Grund genug also, sich mit dem Thema Einstellung auseinanderzusetzen – und herauszufinden, welche Faktoren über die berühmte „Nasenlänge voraus“ entscheiden. Und auch, wie wir mit einer destruktiven Einstellung umgehen können.

Das Element des Elitären: Misstrauen

Misstrauen wird gelegentlich auch höflich mit „gesunde Skepsis“ umschrieben, was besonders Mediziner mächtig nerven kann. Eigentlich ist Misstrauen ja etwas Gesundes. Die Eigenschaft, die den Erwachsenen vom Kind unterscheidet, sondiert Gefahren. Ähnlich wie die Angst gibt sie Impulse an das innere Alarmsystem weiter. Was also, bitteschön, soll daran schlecht sein?

Wie beim Gift: Die Dosis macht den Unterschied

Sie kennen den Unterschied zwischen Gift und Medizin? Es ist die Dosis, welche sich ja bekanntlich auch aus einer bestimmten Häufigkeit ergibt. Wer dauernd misstrauisch ist, wer hinter allem ein schlechtes Ansinnen vermutet, wirkt eben auch arrogant. À la longue entsteht nicht so sehr der Eindruck, dass es sich hier um eine Person mit besonders präziser Unterscheidungsgabe handelt – eher im Gegenteil.

Grundloses, ständiges Misstrauen – das umreißt auch eine Situation, in der ein Edler mit einem moralisch Unterlegenen kommuniziert. Und das, so bekommt das Gegenüber oft deutlich zu spüren, nicht ganz freiwillig. Es ist die diagonale Achse dieser Kommunikation, die sie mit Ressentiments aufläd, nicht die Erfahrungswerte an sich.

Handlungs-Empfehlung:

Wenn Sie das Gefühl haben, durch ein unangemessenes Misstrauen diskreditiert zu werden, lassen Sie zu Beginn Ihrer Antwort eine deutliche Pause. Zählen Sie vielleicht einfach mal innerlich bis Drei, dann haben Sie ein gutes Maß für die richtige Länge. Das Schöne an diesem Vorgehen ist, dass Sie dabei vollkommen ruhig und freundlich bleiben können: Ein strenger Gesichtsausdruck ist gar nicht nötig, weil ein aufmerksamer Gesprächspartner auch so auf die Irritation im Gesprächsverlauf aufmerksam wird.

Lockerheit, Gewohnheit oder Sucht? Entertainment

Brot und Spiele, das klassische Doppel einer Wohlstandsgesellschaft, bietet eine Erlebniswelt für Körper und Geist. Besteht dieser gehobene Standard eine gewisse Zeit, erlangt die Stimulation des Geistes auf interessante Weise Priorität in der Wahrnehmung des Abnehmers. Die Lust am „Zocken“ will befriedigt werden –  oft noch vor der Stillung des lebenswichtigen Bedürfnisses.

Entertainment, so könnte man fast meinen, wird dann zum Modus. Einmal eingeschaltet, gibt er die Frequenz vor, auf der gesendet wird. Ganz ungefährlich ist dieses Wahrnehmungsmuster nicht: Ist es einmal „zementiert“ lassen sich so leicht Themen manipulieren. Wie hat mal jemand gesagt? „Was ich nicht wahrhaben will, kleide ich in einen Witz.“

Hier lässt sich sehr gut erkennen, wie abhängig jemand vom Beifall der anderen ist.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Humor gilt zu Recht als wichtige Eigenschaft. Wer allerdings dem Druck erliegt, zuallererst als begnadeter Entertainer oder super-lockerer Typ wahrgenommen werden zu müssen, offenbart mangelnde Souveränität. Interessanterweise wird dies auch von Jugendlichen so gesehen, die Dauer-Positivismus oder mangelnde Authentizität gnadenlos benennen.

Handlungs-Empfehlung:

Machen wir uns nichts vor – irgendwann trifft es uns alle. Beifall und Lacher, das fühlt sich schon gut an. Wenn sich hier allerdings erste Anzeichen einer persönlichen Konturlosigkeit einstellen dann sollte ich irgendwann im „stillen Kämmerlein“ einfach mal in mich gehen und feststellen, was mir fehlt. Die Frage „was hattest du lange nicht mehr?“ hat sich hier eigentlich immer als hilfreich erwiesen…

Wartet mein Gegenüber mit einer humoristischen Einlage auf, die etwas unpassend wirkt, sollte ich aus einem reichen Fundus schöpfen können: Schließlich geht es auch darum, nicht erzieherisch oder bloßstellend zu wirken.  Hierzu zwei Beispiele:

  • Sanfter Hinweis: „Sie sollten nicht darüber lachen“ entgegnete Tina Turner einmal freundlich und verletzlich dem Moderator David Letterman, der sich über ihre buddhistischen Gesänge mokierte. Sanftheit kann Eisen brechen. Sie sieht bei jeder Persönlichkeit etwas anders aus, aber wirkungsvoll ist sie so gut wie immer.
  • Nennung des Namens und Frage in „System 2“
    Driftet das Gespräch in einen Bereich ab, den man schon als „gaga“ wahrnimmt, helfen zwei Dinge. Das erste ist die Nennung des Namens meines Gesprächspartners zu Beginn.

    Das zweite ist eine Frage, die auf ein hohes Ziel ausgerichtet ist. Sie sollte nicht allzu leicht zu beantworten sein.Um es mit Daniel Kahnemann zu sagen, sollte sie das „System 2“ aktivieren: „Die Operationen von System 2 gehen oftmals mit dem subjektiven Erleben von Handlungsmacht, Entscheidungsfreiheit und Konzentration einher.“ (S.Fußnote 1)

    Ein Beispiel hierfür könnte ungefähr so aussehen: Ihr Gesprächspartner kommt aus dem Witzeln nicht mehr raus. Sie können es sich mit ihm nicht verderben – und müssen jetzt irgendwie weiter kommen. Also lenken Sie das Augenmerk auf eine zukünftige Phase des Projektes: „Angenommen, wir bringen das Ganze so wie jetzt geplant auf die Strecke. An welchen Stellen im Alltag sehen Sie denn das Produkt im Alltag des Kunden fest verankert?“

    Nachdenklichkeit schafft Bodenhaftung.

Perfide Bremse: Eine fatalistische Einstellung

Ähnlich den Feuerwehrleuten sind auch hier die Helden besonders gefährdet.
Der Fatalismus ereilt den, der durchhält. Wer über lange Zeit Lasten trägt, wer inmitten von widrigen Umständen belastbar und verantwortungsvoll seine Aufgabe versieht – kann irgendwann einmal aufgrund seiner eigenen Einstellung gefährdet sein: Der Fatalismus ist auch ein „naher Verwandter“ eines Gefühls von Ohnmacht.

Ein klassischer Satz für eine fatalistische Einstellung klingt ungefähr so: „Joo, so isses nun mal.“ (Oder so ist er, ist sie nunmal.)
Wenn Sie ein präzises Gespür für Atmosphäre haben, werden Sie sofort den Seufzer darin erkennen.

Gestatten Sie mir ein bisschen Drama, ein bisschen Oper? Eine solche Einstellung transportiert in sich eine perfide Vorform des Todes. Es ist der Tod der frischen, kraftvollen Erwartungshaltung. Es ist die Enttäuschung. In letzter Konsequenz ist es der leise Tod eines gesunden Selbstbildes. „Wo ist die Grenze erreicht? Ab wann ziehe ich die Reißleine?“ Wer diese Fragen nicht mehr mit klarer Konsequenz vor Augen beantworten mag, betreibt Raubbau an seinem Inneren. Und das kommt rüber. Besonders schmerzhaft: Der beeinträchtigte Glaube an die eigene Selbstwirksamkeit entfaltet eine – wiederum perfide – Eigendynamik.

Der Unterschied zwischen der fatalistischen Einstellung und der Außensicht ist das Erfahrungswissen. Der Mensch mit dieser Einstellung hat verletzende Erlebnisse gesammelt. Offensichtlich hat er für sich keine Möglichkeit gesehen, diese zerbrechenden Erfahrungen hinter sich zurück zu lassen.

Diesen Verlauf hat kaum jemand besser beschrieben als der Psychologe und Geiselverhandler George Kohlrieser.
„Es gibt viele Dinge, die wir loslassen müssen. Sie können in Schuld, Trauer, Abhängigkeit, Angst, Ärger, Leugnen und auch der Todeserfahrung an sich bestehen.  Was hindert uns am Loslassen? Viele der Hindernisse kommen aus unseren Erfahrungen der Vergangenheit. Sie haben unsere innere Wahrnehmung (unser inneres Auge) geformt. Zeitgleich damit haben Sie auch die Art festgelegt, wie wir uns mit bestimmten Dingen fühlen.“.(Frei übersetzt aus dem Amerikanischen/ Quelle s. Fußnote 2)

Nebenbei bemerkt: So mancher Auftritt, der als glanz- und kraftlos erlebt wird, hat an dieser Stelle seinen Ursprung.

Handlungs-Empfehlung:

  • Fallen Sie in einem Gespräch, welches von Fatalismus geprägt ist nicht der Versuchung anheim, den “Redepart zu bestreiten”. Sollte im Gespräch mal eine Stille entstehen, kann das auch förderlich sein.
  • Bitten Sie Ihren “fatalistischen” Gesprächspartner um eine Einschätzung: Häufig erhalten Sie hier ergänzende Informationen zu den Seitenaspekten.
  • Haben Sie es mit einem „Misserfolgsvermeider“ zu tun?
    Finden Sie gemeinsam mit ihm (oder ihr, selbstverständlich auch) den Weg, der auf belastbaren Informationen beruht. „Frisch-auf“- diesen Ton sollten Sie für etwas später aufheben. Wenn Ihr Vorgehen sich als zuverlässig erweist, wird Ihr Gegenüber wohl eher bereit sein, ein neues Risiko einzugehen.
  • Verletztheit und Raffinesse schließen sich gegenseitig nicht aus: Wenn Sie ein Mensch sind, der empfänglich ist für innere Not – und Ihr Gegenüber dazu neigt, diese Eigenschaft mit “gefühlten Beauftragungen” zu aktivieren, dann empfehle ich Ihnen folgendes: Widerstehen Sie der Versuchung, den Arbeits-Anteil Ihres Gesprächspartners zu übernehmen. Bringen Sie mit wertschätzendem Jargon Ihre Erwartung zum Ausdruck – und auch mit einem charmanten Augenzwinkern…
    „Ok, Herr Müller, die Informationen sind belastbar, das ist jetzt natürlich viel wert.
    In Verbindung mit Ihrem hohen Maß an sozialer Intelligenz räume ich unserem gemeinsamen Vorgehen gute Chancen ein.“ Achten Sie dann auch darauf, dass Sie Ihre Linie „sauber“ einhalten.
    Klarheit ist Stärke!

Lassen Sie mich noch einmal zurück kommen zum Anfang. „Der Ton macht die Musik“ ist ja eine alte Volksweisheit. Wie ich mich selbst und andere sehe, kommt rüber. Das Wort „Einstellung“ bringt diesen Sachverhalt in eine Kurzformel.

Fazit:

Äußere Verhaltensweisen anzutrainieren und zu wiederholen ist relativ einfach. Harmoniert die innere Einstellung einer Persönlichkeit jedoch nicht mit dem Äußeren, wird dies als unecht oder sogar “hölzern” empfunden.

“Wenn die Botschaft nicht zur Person passt, kannst Du’s vergessen” hat das eine Führungskraft mal umrissen. Häufig bleiben dann Fragezeichen. Die überzeugende Wirkung bleibt aus – und dabei war doch vielleicht “alles nach der Etikette”.

Eine inspirierende Persönlichkeit dagegen lebt von Kongruenz. Dies bedeutet, dass ihre Ausstrahlung und ihr Verhalten in sich harmonisch wirken. Hierdurch entsteht ein hohes Maß an Überzeugungskraft. Mit der Kenntnis der Business Etikette fällt es leicht, individuell und angemessen aufzutreten. Ein Verhalten, welches dagegen konformistische Züge hat, wirkt wenig überzeugend.

Deshalb schließe ich mich Oscar Wilde an, der sagte “Persönlichkeiten, nicht Prinzipien verändern die Welt.”

Sie wollen Ihre Ziele leichter erreichen – und sich den Erfolg einfacher machen? Im Intensiv-Workshop erhalten Sie Profi-Tipps, die Ihrem Auftritt zusätzliches Momentum geben – und Ihnen mehr Handlungsfreiheit.

Buchen Sie noch heute. Sie investieren einmal – und profitieren Ihr Leben lang.

Hier gibts die Tipps: 

Kontakt:
Fon: 0711/ 54 09 64 97
Mobil: 0175/ 22 45 146
Mail: info@erfolgmitstil.de

Alle Rechte liegen bei Patrizia Becker, erfolgmitstil.de.

Bild: istock by getty images.

Literaturhinweise:

(1) Daniel Kahnemann, „Schnelles Denken, langsames Denken“
Teil 1: Zwei Systeme, Seite 33.
(2) George Kohlrieser, „Hostage at the table“
Kapitel „Living with a hostage-free state of mind“, Seite 216
Das Buch ist ebenfalls in Deutsch erschienen, wo es unter dem Titel
„Gefangen am runden Tisch“ erhältlich ist.