Das Beileid aussprechen: So zeigen Sie bei Trauer angemessen Anteilnahme

Mann in Trauer, Kopf in Hand gestützt, Umgangsform für die Kondolenz

Beileid aussprechen will gelernt sein: Fingerspitzengefühl ist der Schlüssel

Es gibt Momente, da kann man fast nichts Richtiges sagen. Und muss es trotzdem irgendwie versuchen.
Solch ein Moment war gestern für Repräsentanten eines Landes, eines Unternehmens, einer Stadt. Den Verlust von 160 Menschenleben bekanntzugeben und den Angehörigen ein Gefühl tiefer Anteilnahme zuzusprechen ist ein Drahtseilakt: Geht es doch um sehr viel mehr als die bloße Mitteilung. Ein Gefühl tiefer Wertschätzung für das Leben, eine wärmende Berührung für den Schmerz der Angehörigen sind die eigentlichen Ziele solch einer Erklärung. Den Rest hat man sowieso schon irgendwo gehört.

Das vornehmste Ziel in einer Situation der Trauer: Identifikation mit dem Leid der Angehörigen

Angehörige in so einem Moment nicht alleine zu lassen und Ihnen Trost zu spenden – dazu bedarf es des nicht nur der richtigen Worte. „Der Ton macht die Musik.“ Heißt es zutreffend in einem Sprichwort. Gift für jede Erklärung zu so einem ernsten Thema ist Hektik. Zeit, die man sich nimmt, drückt den tiefsten Respekt aus. Die Uhren einen Moment still- und deutlich wahrnehmbar alles andere hintenan stehen zu lassen, das zeigt die Identifikation mit dem Leid der Angehörigen.

Die Stärke der Gruppe aktivieren

Viel Schmerz kann offensichtlich dadurch gelindert werden, dass eine Gruppe von Menschen einen gemeinsamen Nenner hat. Ihr Herz in einem Takt schlagen lässt. So klingt es immer wieder in Danksagungen von Opfern oder Angehörigen durch. Die Stärke einer Gruppe besteht nicht allein in ihrer Anzahl, sondern in der Fähigkeit, ein kollektives Gefühl aufzubauen und damit die Einzelnen zu stärken. Ein Redner, der es schafft, dieser menschlichen Sehnsucht Ausdruck und Körper zu geben bewirkt in wenigen Minuten sehr viel. Nicht nur für die Angehörigen, sondern für die ganze Gemeinschaft ist so ein Moment gemeinsamer Trauer als Umgangsform zukunftsbildend.

Die richtige Distanz gibt der Anteilnahme besondere Kraft

Haben Sie das auch schon einmal erlebt? Da steht jemand fassungslos vom Verlust, vielleicht sogar an einem offenen Grab. Und irgendein Mensch ohne Feingefühl und Umgangsform drängt sich mit einer Endlos-Schleife von „wir-waren-damals“-Erklärungen auf. So etwas kommt nie von nächsten Angehörigen, die ja den emotionalen Zugang zu dem Trauernden hätten. So etwas kommt immer von „Bekannten“. Das der Trauernde sich innerlich windet vor Schmerz wird  nicht realisiert. Selbstredend, dass dieses Fehlverhalten die Situation des Angehörigen verschlimmert.
Viele Worte sind in so einer Situation den Nahestehenden vorbehalten, ebenso den ranghohen Repräsentanten. Mit einer Geste kann ich mehr ausdrücken als mit vielen Worten. Den Kopf während des Kondolierens kurz zu beugen z.B. verstärkt die Ernsthaftigkeit meiner Worte und gibt meinem Gefühlsausdruck Tiefe. Ich habe nie erlebt, dass so eine Geste nicht ankommt. Trost ohne viele Worte. Ohne zu große Nähe.

Verzichten Sie auf Vordrucke

Oft ist es auch nur möglich, eine Karte in ein Trauerhaus zu senden. Dies kann z.B. dann der Fall sein, wenn ein Mitarbeiter gestorben ist, oder ein ehemaliger Mitarbeiter. Jetzt ist es an Ihnen als Führungskraft oder Inhaber Beileid auszusprechen. Ich weiß, dass es Mühe kostet, ein Kondolenz-Schreiben zu formulieren. Ein Vordruck ist irgendwie praktisch,  aber ebenso geschmacklos. An den meisten Stellen gehört er meiner Meinung nach verboten, weil er sich für die Angehörigen anfühlt wie ein Schlag ins Gesicht. Auch, wenn Sie sehr viel zu tun haben: Nehmen Sie sich die Zeit und formulieren Sie wenige Sätze. Schreiben Sie die Karte mit Füller und frankieren Sie sie mit einer Briefmarke. Sie können sich sehr sicher sein, dass Ihre Mühe etwas Gutes bewirkt. Sie landet da, wo sie hin soll: Im Herzen der Angehörigen.

Aus Erfahrung weiß ich, dass Mühe und Zeit, die hier investiert wird, nicht verloren ist. Sie wird realisiert und positiv erwähnt. Ich wünsche Ihnen, dass solche Momente selten vorkommen. Und dass sie dann den richtigen Ton treffen.

Foto: istock by getty. Fotograf: akurtz

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