Soll man beim Niesen “Gesundheit” wünschen? Business-Etikette für die Erkältungszeit

Die rote Nase hat die Szenerie erobert. Auch die der Business Etikette.
Als Synonym des „dummen August“ repräsentiert sie den Spaßmacher – ansteckende Heiterkeit garantiert.
Ihre zweite Identität allerdings führt die Menschen keineswegs im Geist der Heiterkeit zusammen, sondern sorgt jedes Jahr für Fragen rund um das Thema Business- Etikette.

„Darf man jetzt oder darf man nicht?“ ist zum Klassiker geworden, wenn es um das Niesen geht. Die Rede ist vom „Gesundheit!“, der Antwort auf einen Nieser. Schon hier scheiden sich die Geister. Die einen sagen „Dieser Gesundheits-Chor nervt nur und stört beim Nachdenken. Gesundheit wünschen ist laut Business-Etikette von gestern.“ Die anderen vermissen dann das Kommunikative. Immerhin bietet dieser Wunsch die Möglichkeit, auch mit Unbekannten höflich in einen kurzen Kontaktes zu treten. Gerade im Aufzug oder im Wartezimmer fühlt es sich für viele besser an als schweigend weiter geradeaus zu starren.(Irgendwohin. Nur nicht auf den anderen.) Außerdem, so die Empfindung der „Gesundheit“-Fraktion, komme es sowieso nie zu dem befürchteten Chor.

„Muss man oder muss man nicht?“ ist die zweite Frage, die viele umtreibt: Muss sich der Niesende entschuldigen – oder nicht? „Blödsinn, krank sein ist normal. Irgendwann erwischt es jeden“ beharren die einen. „Ein Bazillenmutterschiff gefährdet die ganze Umgebung. Entschuldigen ist angebracht“ kontern die anderen. Kaum eine Frage der Business-Etikette sorgt für derartig gespaltene Lager.

In der Erkältungszeit: Wie benehme ich mich stilvoll?

Das ist sicherlich auch eine Frage der Umgebung. Hier in unserem westlichen Kulturkreis gilt es generell als unanständig, laute Körpergeräusche von sich zu geben. Das hört beim , Nieser nicht auf. Auch, wenn es für manchen harter Sport sein mag: Brüllen beim Niesen geht gar nicht. Wer in einer Unterhaltung ist, oder sich in einer Gruppe von Menschen auf kleinstem Raum befindet, tut sicher gut daran, sich kurz zu entschuldigen. Und wenn es nur ein „Sorry“ ist. Es ist eine Geste, die Rücksicht signalisiert. Und die kommt immer an.
Ein Taschentuch griffbereit zu haben empfiehlt sich bei Erkältung in jedem Fall, es beim Niesen zu benutzen auch.

Und das mit dem Gesundheit, tja, das ist so eine Sache.
Ich persönlich empfinde es als freundliche Geste, und sei es nur über das kurze Signal eines Augenausdrucks. Meines Gefühls nach hat es immer auch in schwierigen zwischenmenschlichen Verhältnissen für eine positive Note gesorgt. Allerdings ist es auch ein bisschen ortsabhängig. Wo es zur normalen Verhaltenskultur gehört, miteinander zu reden, da ist das „Gesundheit“ angenehm.
Dort, wo die Menschen sich mit mehr Distanz wohlfühlen – vorzugsweise in Großstädten – bleibt es dem „Chemie-Faktor“ überlassen. Es hat nicht unbedingt mit Unfreundlichkeit zu tun, wenn Menschen ihren eigenen Gedanken nachgehen wollen: Der Zeitdruck  führt dazu, dass Wegezeiten auch Arbeits- und Vorbereitungszeiten sind.

Zurück zum “Geist der Heiterkeit”:

Absolute Genies verstehen es, das klassische Ritual als Grundlage für Geblödel zu nutzen und bleiben so ihren Geschäftspartnern im Gedächtnis. („Gesundheit!“ „Danke, ich spür schon Linderung.“) Hierfür bedarf es allerdings eines sehr sicheren Gespürs für Umfeld und Gegenüber.

(Bild: fotolia. Fotograf Milanmarkovic)