Die Weste

Das wandelbare Status – Symbol
Die Weste -das textile Status - Symbol Die Weste hat seit ihren Anfängen eine radikale Wandlung vollzogen. Eines ist geblieben: Sie zeichnet den Souveränen aus.

Die Weste nimmt unter den Kleidungsstücken die Rolle eines Exoten ein.
Einst das USP des Business Attire war sie den obersten der oberen Führungsetagen vorbehalten:
Wer eine Weste trug, hatte in der Regel auch eine Taschenuhr. Und gehörte zu dem, was man heute als „Leitmilieu“ bezeichnet.

Die Weste repräsentierte einen Status, der heute fast als archaisch durchgehen könnte:
Wer was hatte und was war, hüllte sich in möglichst viel Stoff. Nur die Armen waren an einem Mindestmaß an Tuch erkennbar. Das war, schon zu Beginn der Industrialisierung, als die Eigentürmer der Fabriken noch mit Bauch und Zylinder dargestellt wurden.

Seitdem hat die Weste mit eisernem Durchhaltevermögen ihren Weg in die Moderne angetreten.
Mit Erfolg. Heute ist sie „cool“.

Vom Status – Symbol zum „Übernahmekandidaten“

Wir schreiben die wilden 70-er. Das einstmals honorige It-Piece des Establishments ergänzt jetzt selten einen Anzug – dafür um so häufiger eine Jeans. Oft sind die Haare des Trägers lang – mit Mittelscheitel. Gibt es eine Brille, ist sie aus Nickel.

„Kombinatorischer Witz“ hat ein Literaturprofessor einmal genannt, was einen Stil individuell macht. Kaum eine Beschreibung passt besser zur Weste: Sie wurde einfach übernommen – ein Wechsel aus der Kultur des Establishments in die Welt des Bohèmen.

Die Jeans mit Weste sind ein erstklassiges Beispiel dafür. Wer einen Schritt weiter gehen wollte, trug eine Cordhose. (Eine Reminiszenz an Jaques Brel konnte nicht schaden…)

Überhaupt wurde hier alles etwas bunter…
Nicht mehr war Anthrazit oder Marine mit einem Futter in Uni das in Stein gemeißelte Gesetz.
Weinrot und kleine indische Muster bahnten sich ihren Weg. Denkt hier noch jemand an die Taschenuhr? Vielleicht war das Flair des souveränen Strategen das Einzige, was die Weste bis in heutige Zeiten begleitet. Wer die Weste trägt, trägt auch Hut.

Die Accessoires und die “Spielereien”

Seit ihrem Befreiungsschlag glänzt die Weste durch auffällige Details.
Aus dem unauffälligen V-Ausschnitt darf gerne ein eleganter Schalkragen werden – und aus dem Einreiher auch ein Zweireiher. Runde Ausschnitte stellen eine Alternative zum klassischen „V“ dar.

Auch die Knöpfe müssen nicht mehr unbedingt aus Horn sein: Bunt, extravagant – solange dem Look eine selbstverständliche Lässigkeit anhaftet ist die Verspieltheit ok.

Auch Taschen prägen den individuellen Stil. Oft sind es Paspeltaschen, also mit einem Rand umfasst. Eine Paspel-Klappentasche ist ein auffälliges, aber elegantes Detail. Ich persönlich finde, dass es gerade diese “kleinen” Details sind, die sowohl den Träger als auch den Schneider (oder Hersteller) als stilvoll ausweisen. Eine Tasche dieser Art an der richtigen Stelle einzuplanen, zu nähen und mit Liebe zum Detail zu füttern – das ist Kunst.

Überhaupt… Die Lässigkeit…

Ging früher eine Weste überhaupt “nur mit Hemd”, so wird sie heute mitunter auch zum T-Shirt kombiniert.

Natürlich gibt es auch hier, wie bei allen anderen Kleidungsstücken, unverzichtbare Details. Machen wir es kurz: Die Weste sitzt nur dann gut, wenn sie auch Bewegungsfreiheit lässt. Zwei Details garantieren diese:

  1. Den Rückenriegel, der mithilfe einer Schnalle die Regulierung der Weite erlaubt.
  2. Der unterste Knopf bleibt auf.
  3. Wenn Sie eine Weste kaufen oder schneidern lassen, empfehle ich Ihnen beim Kauf oder bei der Anprobe Ihr bevorzugtes “Darunter” zu tragen.
    Ob Hemd oder T-Shirt: Die Qualität und Fülle des Stoffes spielt eine große Rolle beim guten Sitz der Weste.

Die Passform? Die Weste lebt vom Wissen um das Zusammenspiel…

 

Wissen Sie, woran man einen guten Schneider auch erkennt? Er hat eine klare Vorstellung davon, wie die Materialien sich miteinander im Tragekomfort später entwickeln. So wird ein guter Schneider Ihnen nie einen Futterstoff empfehlen, der sich im Laufe der Zeit „aufläd“ oder entgegen dem Futter des Anzugs reibt. Auch ist die Dicke des Materials wichtig.

Der Rücken der Weste sollte stets aus einem hochwertigen Futter – Stoff bestehen, der dünn, dabei langlebig ist – und nicht statisch reagiert. Die klassische Variante besteht in der Uni-Fütterung – einer farblich perfekten Ergänzung zum Stoff der Weste und des Anzugs. Viele Leute begehen den Fehler, bei der Wahl des Futterstoffes zu sparen, ganz nach dem Motto “auf das Darüber kommt es an”.

Was für ein Fehler! Ein hochwertiges Futter erhöht den Tragekomfort und das Wohlgefühl. Außerdem sieht man der Kleidung an, ob sie mit einem konsequenten Qualitätsbegriff erstellt wurde – oder die Dinge nicht wirklich gut zusammen passen. Es muss nicht mehr wirklich reine Seide sein. Bei dem Rohmaterial, der Materialdichte und der Qualität der Färbung bestehen jedoch große Unterschiede. Nehmen Sie sich bei einem Kauf Zeit, diese zu prüfen. Sie werden sehen: Es zahlt sich aus.

Vielleicht sind Sie ja im kreativen Umfeld unterwegs und die Weste im klassischen Stil empfinden Sie als „eintönig“? Ergänzen Sie sie gerne durch einen farblichen Kontrast. Oder steigen Sie bei der Formgebung um auf einen gerundeten Ausschnitt.

Welchen Stil Sie auch bevorzugen – vergessen Sie eines beim Styling nie:
Die Weste lebt mehr als viele andere Kleidungsstücke von einem Wissen um die richtige Form zur richtigen Zeit…

Kontakt:
Patrizia Becker
Mail: info@erfolgmitstil.de
Fon: 0175/2245146

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