Der Dunning – Kruger – Effekt

… und was Sie wissen müssen, um die Leistung des Teams trotzdem zu steigern
Der Dunning - Kruger - Effekt ist auch ein Phänomen unserer Zeit. Der Dunning - Kruger - Effekt bezeichnet eine enorme Selbstüberschätzung. Gleichzeitig werden die Leistungen der anderen unterschätzt.

Mögen Sie Casting-Shows? Auch, wenn Sie nur gelegentlich einen Blick auf das Schaulaufen der Kandidaten werfen, ist Ihnen sicherlich eins aufgefallen: So eine Sendung lebt nicht vom Können – oh nein. Die Casting Show lebt von dem Unerwarteten. Oder besser ausgedrückt: Sie erhält Nahrung durch ein  psychologisches Phänomen. Der eigentliche Clou besteht in der Faszination des Unfalls.

Mit dieser Metapher ist auch schon ein wesentlicher Teil des Dunning – Kruger – Effektes beschrieben – zugegebenermaßen auf eine ironische Art. Da der Dunning – Kruger – Effekt jedoch oft der Grund für das heimliche Augenrollen von Chefs und Kollegen ist, lohnt es sich doch, hier etwas genauer hinzusehen: Je mehr Kenntnis wir von einer Sache haben, um so bessere Lösungen finden wir.

Mit diesem Artikel möchte Ich Ihnen Tipps zu einem Phänomen geben, für welches wir im Zeitalter von Home – Office und Führung ohne Weisungsbefugnis neue Lösungen brauchen. Ihr Umgang mit dem Dunning – Kruger – Effekt kann sehr schnell einen deutlichen Unterschied im Ergebnis bewirken.

Spontaneität oder Realitätsverlust?

Der einzigartigen Diana Vreeland (link) wird das Zitat zugeschrieben

„Sieh zu, dass du in Paris geboren wirst, der Rest ergibt sich von allein.“

Die New Yorker Szenegröße, die für die Modewelt jahrzehntelang stilprägend war, erlangte ihren legendären Ruf allerdings durch ihre außergewöhnliche Persönlichkeit, ihre souveränen Kreationen und ihre Intelligenz.

Dennoch gibt ihre Aussage einen Blick auf ein Phänomen unserer Zeit frei: Es ist die Vereinfachung.

Das Schattengewächs der Aufmerksamkeits – Ökonomie: Die Vereinfachung

Der Dunning – Kruger – Effekt wäre ohne Vereinfachung nicht in diesem Umfang möglich. Die Sicherheit, als besondere Größe offenbar zu werden, sobald man nur

  • Insta-Influencer oder ähnliches ist
  • In einer Show auftritt oder
  • Mit den richtigen Leuten fotografiert wird

befeuert die Größenphantasien. Das wäre weiter auch kein Problem – wäre da nicht die mangelnde Ansprechbarkeit auf mangelnde Kompetenz. Zu tief sitzt die innere Überzeugung, morgen schon die Welt „rocken“ zu können. (Hat bei den anderen ja auch geklappt… )

Diesen Effekt nicht zu kennen bedeutet, Ressourcen zu verschwenden. Sei es vor diesem Hintergrund oder aus sozialen Gründen: Der Dunning – Kruger – Effekt mit wissenschaftlicher Genauigkeit untersucht. Der daraus resultierende Artikel der beiden Wissenschaftler Justin Kruger und David Dunning gibt dem Effekt seinen Namen. Sie finden ihn unter diesem Link. 

Die wesentlichen Fakten: So wirkt der Dunning – Kruger – Effekt sich aus

Mehrere Facetten sorgen dafür, dass dieser Effekt schnell zu einem in sich abgeriegelten System wird. Sie bauen aufeinander auf.

Geforscht wurde in den Bereichen

  • Logisches Denken
  • Grammatik und
  • Humor

Kurz; Salopp formuliert könnten wir einen Klassiker aus den 80-ern zitieren:

„Selbstbild nicht mit Fremdbild abgeglichen“

Und das sieht dann so aus:

  • Selbstüberschätzung bezüglich der eigenen Kompetenz und Fähigkeiten
  • Inkompetenz bezüglich der Einschätzung der Fähigkeiten anderer
  • Die Fähigkeit, die eigene Kompetenz zu steigern wird nicht ausgebildet – das Bedürfnis danach wird durch das falsche Selbstbild auch gar nicht erst geweckt.
  • Verharren in der eigenen „Filterblase“ durch die oben beschriebene Blindheit

Beispiele für den Dunning – Kruger – Effekt

  • Die Millionen Bundestrainer
  • Die „Spezialisten“ für moderne Waffensysteme und deren sinnvollem Einsatz in den aktuellen Krisengebieten
  • Der Leiter, der eine Hürde nach oben genommen hat, jetzt unerträglich großspurig auftritt und „den Kunden erziehen“ will.

Ein Hindernis auf dem Weg zur Selbsterkenntnis

Einer der Stolpersteine besteht in der gegenwärtigen Feedback – Kultur:
Negative Details werden von Feedback kaum abgedeckt. Der Trend, nur noch das Positive zu verstärken wirkt sich auch auf die Offenheit untereinander aus. Wer nie oder nur sehr selten hört, dass es nun einmal nicht mehr ist, ist eher geneigt, sich einfach nur zu ärgern. Dann werden gerne auch schon einmal persönliche Ressentiments angeführt – oder sogar Neid.

So „verschlimmbessern“ Sie die Misere noch

Das Experiment wurde mit akribischer Sorgfalt durchgeführt. So wurde auch die Tatsache offenbar, dass fachbezogenes Training keineswegs zu einer Selbstoffenbarung führt. Ganz im Gegenteil:
Die Low – Performer steigerten ihre Überzeugung ihrer vermeintlichen Überlegenheit gegenüber den anderen. Präzise ausgedrückt: Der Schaden vergrößerte sich messbar von 5,8 auf 6,3 Prozentpunkte. Der unerschütterliche Glaube an das eigene (verkannte?) Genie wurde undurchdringlicher.

Eine Herausforderung für Unternehmen – die Whatsapp – Gruppe

Ein Phänomen liess sich ebenfalls beobachten. Es bestand in dem Anspruch auf eine Führungsrolle.
Über die Philosophie, dass ich alles erreichen kann – ich muss es nur ganz doll wollen – brauche ich hier glaube ich nichts weiteres schreiben. Spätestens die oben angeführte Casting- Show macht klar, dass wohl nicht jeder Bewerber morgen die ganz großen Bühnen dieser Welt bespielen wird.

Dennoch kann der Dunning – Kruger – Effekt zu weitreichenden Auswirkungen führen:
Hält sich jemand für ein „verkanntes Genie“ und erlebt Frustration, bleibt ja noch die Gründung einer Whatsapp – Gruppe. Und hier vertut sich manche Führungskraft!

In der Hoffnung, dass die anderen schon den Unterschied zwischen Können und Wollen herausfiltern werden, wird diese Gefahr leider oft unterschätzt.

Besonders in einer Unternehmenskultur, die unangenehme Wahrheiten gerne „unter den Tisch fallen lässt“ sind Whatsapp – Gruppen eine soziale Goldgrube. Hier kann ohne Angst alles ausgesprochen werden – zumindest ohne Angst vor dem offiziellen Leiter.

Ganz angstfrei sind diese Whatsapp – Gruppen auch nicht immer: Die Gründungsinitiative geht oft von einem Mitarbeiter aus, der hervorragend gut und schnell kommuniziert. (So manches Unternehmen würde hier in einem Wettbewerb schlecht abschneiden!) Außerdem wird auch hier mit Tratsch und sozialer Ausgrenzung gerne schon mal auf äußerst manipulative Weise ein Status – Gefüge geschaffen.

Wir Menschen leben davon, zu einer Gruppe zu gehören, die wenigsten kommen sehr gut lange alleine klar. Außerdem ist dies mit messbaren Nachteilen verbunden. Und so nimmt mancher in der privaten Whatsapp – Gruppe in Kauf, was im Unternehmen sehr angreifbar wäre – nämlich ein geschickt aufgebautes „Schreckens – Regiment“.

Bitte verstehen Sie mich richtig: Ich bin keineswegs gegen Whatsapp – Gruppen und sozialer Status ergibt sich überall. Er entsteht bei uns Menschen so natürlich wie ein Schatten. Es besteht aber ein großer Unterschied in einem „menschlichen sozialen Verlauf“ und einer „hidden agenda“, wie sie ja in manipulativ gesteuerten Gruppen meistens vorliegt.

3 Tipps zur Verbesserung des Dunning – Kruger – Effektes

Die beiden Wissenschaftler haben heraus gefunden, dass diese überzogene Selbsteinschätzung sich durch einen Vergleich mit anderen ändern lässt. Der angenehme Nebeneffekt dabei, so fanden sie heraus, besteht auch in der gesünderen Selbsteinschätzung vieler Top – Performer: Diese hielten sich oft für schlechter als sie wirklich sind. Durch den Vergleich bekommen sie Zugang zu einer besseren Einschätzung ihrer eigenen Leistung.

  1. Finden Sie ein System der transparenten Leistungs – Darstellung im Team.

Wichtig ist, dass „der neben mir“ für mich als Besserer sichtbar wird. Der „Guru“ im Team des anderen Leiters interessiert mich nämlich nicht so sehr…

Geben Sie dabei allen aufrichtige Anerkennung für ihren Einsatz. Bedanken Sie sich am besten ganz offen. Dadurch machen Sie sich selbst verletzlich. Außerdem zeigen Sie den anderen, dass Sie von deren Leistung abhängig sind. Diese Offenheit wird honoriert.

Wichtig ist, dass Wertschätzung für jeden im Team spürbar ist. Wird soziale Kälte erlebt, verlieren alle möglichen Maßnahmen ihren Effekt.

  1. Graphische Darstellung

Die Lesegewohnheiten haben sich sehr verändert. Deshalb ist eine Darstellung wie in einer App hilfreich: Der grüne Balken für die berühmten 10 000 Schritte entfaltet ihre Wirkung sofort. Ein langer Text dagegen wird von den wenigsten noch gelesen. (Auch hier fragen sich die Leute mittlerweile lieber in ihren privaten Gruppen – Chats.)

  1. Stellen Sie Ihre Kommunikation auf die „Remote – Kultur“ umEin Grund dafür, dass Selbsterkenntnis verweigert wird, kann in einem Bedürfnis nach Selbstschutz bestehen. Vielleicht klingt es überzogen, dennoch stimmt es:
    Das freundliche Geblödel an der Kaffeemaschine „macht etwas mit mir“. Es bewirkt, dass ich mich „gesehen“ fühle – eine der tiefsten Triebfedern menschlichen Handelns.In unserer Gesellschaft, die sich mittlerweile durch ein hohes Maß von Motivations – Psychologie auszeichnet, herrscht in vielen Menschen eine tiefsitzende Angst:

„Geht es hier wirklich um mich? Oder geht es nur darum, mich in Gang zu bringen, damit man hinterher mit den Ergebnissen glänzen kann?!

In der täglichen Begegnung im Unternehmen gibt es viele kurze Momente, die diese Unsicherheit nehmen: Die kurze Begegnung auf dem Flur mit dem freundlichen „Zunicken“, das oben erwähnte Geblödel an der Kaffeemaschine, die Begegnung im Aufzug oder natürlich das Meeting. Die Sicherheit, die hier entstehen kann, ermöglicht erst, dass ich die Schranken fallen lassen kann und erkennen: Da ist noch Luft nach oben!
Mangelnde Ansprache oder mangelnde Wertschätzung in der Ansprache bewirkt das Gegenteil: Es setzt sämtliche Beharrungskräfte frei und führt nicht selten zu einer Art Opfer – Erleben.

Dieser Dynamik hat sich übrigens die Psychologin Margret Heffernan gewidmet: In ihrem Buch „Wilful Blindness“ – „Why we ignore the obvious“ untersucht sie Fälle wie das Unglück auf der Brent Spar. Einer der wesentlichen Gründe für den todbringenden Verlauf war der nicht mehr vorhandene Augenkontakt. In Verbindung mit anderen Faktoren bewirkte das Fehlen dieser Begegnungsform eine Verkettung mit tragischem Ende.

Auch, wenn bei Ihnen nicht diese Gefahr im Hintergrund steht, empfehle ich Ihnen:
Überlassen Sie diese Entwicklung nicht sich selbst. Stellen Sie bewusst auf die Remote – Kultur um und ersetzen Sie persönliche Begegnungen sinnvoll. Ihre Arbeit wird sich auszahlen – sozial, im Scoring und finanziell.

Fazit: Dieser Effekt wurde durch die beiden Wissenschaftler der Cornell – Universität wissenschaftlich erforscht und zugänglich gemacht. In den Bereichen Humor, logisches Denken und Grammatik wurde die Selbsteinschätzung einer Gruppe von Studenten geprüft.

Hierbei wurde offenbar, dass sich die Low – Performer oft sehr viel besser einschätzen, als sie sind. Ihre diesbezügliche Inkompetenz führt zu einer weiteren: Nämlich der Inkompetenz bei der Beurteilung der anderen – so auch der Top – Performer.

Der Dunning – Kruger – Effekt ist auch eine Erscheinungsform der gegenwärtigen Sozialkultur. Die berühmten „Echokammern“ in den sozialen Medien spielen oft eine Rolle.

Er lässt sich nicht durch Training im fachlichen Bereich abstellen – ganz im Gegenteil! Ein Vergleich mit den wirklichen Leistungsträgern führt jedoch zu Veränderungen.

Dieser Vergleich sollte einen gesunden Respekt und Wertschätzung beinhalten. Denn: Zum Teil kann der Dunning – Kruger – Effekt auch als Selbstschutz als notwendig erlebt werden. Diese Selbsthilfe – Maßnahme läuft unbewusst ab und ist nur durch ein Umfeld, in dem Sicherheit emotional erlebt wird, zu beeinflussen. Deshalb ist der bewusste Ausbau einer Feedback – Kultur ein Must. Hat durch die Corona – Pandemie und die damit einhergehende Digitalisierung eine Veränderung zum Home – Office hin stattgefunden, ist eine bewusste Umstellung wichtig: Die Begegnungsqualität, die vorher durch „zufälliges“ Aufeinandertreffen entstanden ist, bedarf jetzt einer bewussten Herbeiführung durch eine umsichtige „Remote – Kultur“.

Auf diese Weise kann der Dunning – Kruger – Effekt minimiert werden und zu einer gesunden Steigerung der Leistung führen.

Sie wünschen sich Unterstützung bei dem Wandel zu einer Remote – Kultur oder bei Fragen zur Selbstvermarktung? Kontaktieren Sie mich am besten heute noch!

Kontakt:
Patrizia Becker
Mail: info@erfolgmitstil.de

Fon: 0175 2245146