Dieser Effekt beeinflusst Ihr Leben

…ob Sie es merken oder nicht…
Businessman looking out of abstract opening in wall with bright daylight in concrete interior. Concept for success.

Effekt ist ein Wort, welches unser Leben sehr viel intensiver begleitet, als es uns oft bewusst ist.
Das Wort „Effekthascherei“ zum Beispiel wird den meisten von uns ständig vor dem inneren Auge stehen. Da sind wir wach, da setzen wir ganz schnell mit einer präzisen Analyse an.

Allerdings gibt es Effekte, die keineswegs auffallend sind. Mehr oder weniger unbemerkt flechten sie sich in unser Leben – und schon sind wir eingebunden in eine zeit- und kostenintensive Spirale… Da ist es von Vorteil, fünf der einflussreichsten Effekte zu kennen: Ihre Sprache ist still und wirkmächtig.

Voilá:

Der Diderot-Effekt

Denis Diderot, unter der Einwirkung des luxuriösen Ambientes und einer ebensolchen Kostümierung am Hofe der Zarin, legte durch einen einzigen Kauf den Grundstein für das Verständnis vom Kaufzwang.

„Ich war Herr über meinen alten Mantel. Ich bin der Sklave meines neuen.“

Diese Erkenntnis dürfte von tiefem Bedauern geprägt sein: Denis Diderot, der französische Philosoph war nun wirklich ein talentierter Intellektueller.

Seine Tätigkeit am Hof der Zarin Katharina ließ ihn in eine Begegnung mit einer Welt treten, die absolutes Suchtpotential hat. Diderot, der für die Enzyklopedie maßgeblich verantwortlich zeichnete, litt Not. Seine Auftraggeberin schätzte das Werk des Aufklärers und ließ ihm deutliche finanzielle Mittel zukommen.

Er kaufte einen einzigen Mantel. Und damit nahm das Drama seinen Lauf….

Denn jetzt setzte der Effekt ein, den vielleicht jeder von uns schon mal irgendwo erlebt hat:
Als er den Mantel so an sich sah, in seiner Umgebung, färbte die beeindruckende Wirkung auf vieles andere in seinem Leben ab.

Plötzlich war der Rest seiner Kleidung irgendwie schäbig. Oder zumindest nicht mehr so, dass sie in Gegenwart des Mantels bestehen konnten. Und so kaufte Denis Diderot, der begnadete Intellektuelle und Kunst-Spezialist Ihrer Majestät Katharina der II., sämtliche anderen Kleidungsstücke neu.

Selbstverständlich tat er das nicht mit einem Kauf. Sein guter Geschmack und sein Sinn für eine konsequente Fortführung eines ästhetischen Grundrisses führten den Liebhaber der sinnlichen Genüsse in eine Spirale. (Diderot war angehaucht von der Philosophie des Epikur.)

Am Ende dieser Spirale sah er sich eben Zwängen ausgesetzt, denen er Folge zu leisten hatte. Seinen Glamour bezahlte er mit der Aufgabe seiner Freiheit.

Handlungsempfehlung:  Definieren Sie für sich persönlich, wer Sie sind. Definieren Sie genau so, wer Sie nicht sind. Das erleichtert viele Kaufentscheidungen und spart viel Zeit des Nachdenkens und der zeitintensiven Beschäftigung mit bloßer Materie.

Damit möchte ich nicht gegen den Genuss von schönen Dingen reden. Es ist wichtig, dass wir uns auch für unsere Arbeit etwas gönnen, besonders, wenn wir ein Ziel erreicht haben.
Am meisten bereichert, wenn ich meinen Stil passend zu meinen Zielen und dem derzeitigen Entwicklungs-Stadium definiere. Dann gönne ich mir eine Sache, die dort passt.

Beispiel: Besonders beim Kauf der Garderobe fallen viele Menschen dem Diderot-Effekt anheim. Dies liegt auch daran, dass wir unsere Identität stark an Äußerlichkeiten festmachen.
Sinnvoll ist, die Garderobe zu planen wie einen Hausbau! Zuerst das Fundament, dann die Mauern und das Dach usw.

Planen Sie auf der Grundlage einer Farbe, die nicht zu auffällig oder trendy ist.
Investieren Sie in Oberkleidung wie zum Beispiel ein Jacket oder einen Blazer. (Kostüm oder Anzug) Ergänzen Sie diese durch Klassiker und/oder Trend-Kleidung wie zum Beispiel Shirts, Einstecktücher oder Hemden/Blusen.

Scheuen Sie sich nicht, teure und günstige Kleidungsstücke miteinander zu kombinieren.
Viele Menschen, die über sehr viel Geld verfügen, setzen sich auf diese Weise selbst eine Grenze. So entgehen Sie dem Diderot-Effekt.

Der Zeigarnik-Effekt

Lange Zeit habe ich überlegt, was mich an dem Bild des jungen Künstlers so fesselte. Ja, er sieht gut aus. Ja, er ist zu Recht berühmt. Ja, es war hervorragend fotografiert. Aber das alles war es nicht. Irgendwann fiel mir auf, dass er seine Schleife nicht gebunden hatte.
Für einen Amerikaner ist das doch eher etwas Unübliches, denn die „Amis“ präsentieren sich auf ihren glamourösen Veranstaltungen in einem von Kopf bis Fuß durchdachten Look.

Die ungebundene Schleife hatte die Kraft, den Betrachter in den Bann des jungen Mannes zu schlagen. Da konnte ich keinen  Haken daran machen, das musste noch vollendet werden.
Unter all den Bildern verschiedener Stars ist mir dieses bis heute im Gedächtnis geblieben.
Der Zeigarnik-Effekt katapultiert Alltägliches in die Top-Position im Kopf des Betrachters.
Dieser Effekt ist wie ein Teenager, der sich am Türsteher vorbei schleicht, um in den angesagten Club zu kommen.

Aber Achtung: Dieser Effekt kann auch genutzt werden, um uns in Nebenkriegsschauplätzen beschäftigt zu halten, während die eigentliche Musik ganz woanders spielt…
Der Zeigarnik-Effekt wird von Marketing-Spezialisten gerne genutzt, um einen potentiellen Kunden zu faszinieren.

Auch dieser Effekt kann in eine zeitintensive Beschäftigung ausarten, wenn wir unsere Prioritäten nicht immer wieder neu in unseren Fokus nehmen: Dann arbeiten wir uns an Zielen ab, die gestern relevant waren – und heute nicht mehr perfekt ausgefüllt werden müssen.

Ein sehr interessanter Hinweis auf den richtigen Umgang mit dem Zeigarnik-Effekt kommt von erfahrenen Personalern:

„Man ist nur so stark, wie man sich trennen kann.“

Um dem Zeigarnik-Effekt zu umgehen, sind innere Klarheit und Kraft unverzichtbar.

Der Halo-Effekt

Welches Bild steht Ihnen vor Augen, wenn Sie anWoodstock denken?Sehr wahrscheinlich sind es diese berühmten „3 days of peace, love and music“. Oder es ist dieser kleine Vogel auf der Gitarre oder dieses junge Paar, eingehüllt in eine Decke und aneinander geschmiegt?
Den wenigsten von uns dürfte die Realität vor dem inneren Auge erscheinen, die ein Teilnehmer als hygienische Katastrophe voller Matsch und verstopfter Toiletten beschrieb, als einen Ort, an dem Krankheiten ausgebrochen sind. Der vollkommen überlastete kleine Ort sah sich schlagartig mit einer Lawine an Menschen und Entwicklungen konfrontiert, die wir heute von dem Phänomen Greta Thunberg kennen: Aus einer kleinen Veranstaltung wurde eine weltweite revolutionäre und unkontrollierbare Entwicklung.

Der Halo-Effekt umschreibt ein alles überstrahlendes Merkmal, welches das Image einer Persönlichkeit, Bewegung oder Sache maßgeblich prägt. Hinter diesem Merkmal verblasst alles weitere.

Dabei muss dies keineswegs immer das krasse Gegenteil sein, wie oben beschrieben. Der Halo-Effekt wird von professionellen Image-Spezialisten genutzt, um das Image eines Stars greifbar zu machen. „Pinpointen“ nennt sich das im Fach-Jargon. Wenn man ein Image „pinpointet“, grenzt man es auf zwei bis drei Merkmale einer Persönlichkeit ein.

Sichtbar wird das zum Beispiel an Beyonce, die als Beyonce Knowles mit der Gruppe „Destiny’s Child“ gestartet ist. Ihre Solo-Karriere führte sie zum bloßen „Beyonce“.
Die hart arbeitende Künstlerin darf sich mittlerweile darüber freuen, dass ein einfaches „B“ ausreicht, um vor den Augen des Zuhörers ihr Bild erscheinen zu lassen.

„B“ hatte allerdings auf dem Weg dorthin einige Klippen zu umschiffen:
So wurde ihr Twitter-Account einige Zeit lahm gelegt. Nicht, weil sie dort provozierende Aussagen wie zum Beispiel Elon Musk zum Besten gab. Nein, „B“ zeigte sich dort einfach nur als ganz normale junge Frau. Da das dem Image einer Kaiserin mit weltumspannendem Ruhm doch irgendwie abträglich ist, wurde ihr diese Möglichkeit der Kommunikation kurzerhand von ihrem Management weg genommen. (Oder sie wurde überzeugt, es selbst sein zu lassen – wie auch immer.)

Der Halo-Effekt ist ein starkes Instrument im Bereich des Eindrucks-Managements, wie Auftrittskompetenz im Business-Bereich auch genannt wird. 
Der Halo-Effekt kann wie im Falle von Beyonce Opfer verlangen – je nach Bekanntheit einer Persönlichkeit.

Wie sollen die Menschen Sie wahrnehmen?

Bei dem Halo-Effekt geht es nicht darum, eine große Show aufzusetzen. Für Ihre Selbstvermarktung im Business-Bereich ist es wichtig, dass hinter äußeren Merkmalen auch tatsächlich innere Werte und reale Charakterzüge stehen. Dies unterscheidet den Business-bereich vom Showbiz.

Es macht sich allerdings bezahlt, wenn Äußerungen und Handlungen dem zuarbeiten, wofür Sie bekannt sein wollen. Oder, um es mit den Worten eines Marketers zu sagen: “Natürlich ist diese ganze Spannbreite in Ihrer Persönlichkeit. Aber das kann sich doch kein Mensch merken!“

Der Mere-Exposure-Effekt

Warum werden Spezialisten, die sich Markennamen für internationale Produkte ausdenken, mit Geld überhäuft? Weil sie den „Mere-Exposure-Effekt“ beherrschen wie kaum ein anderer.

Dieser Effekt sorgt dafür, dass zum Beispiel im Verkaufsgespräch die Überzeugungs-Phasen deutlich kürzer werden. Er kann Menschen das Gefühl geben, „angekommen“, also zuhause zu sein.

Er sorgt auch dafür, dass Menschen dort Geld anlegen, wo sie es lieber bleiben lassen sollten. Und er sorgt dafür, dass sie glauben, etwas zu verstehen, was bei genauer Betrachtung totaler Blödsinn ist.

Der Mere-Exposure-Effekt erzeugt die Wahrnehmung von innerer Nähe und Vertrautheit.

Das Gegenteil vom Mere-Exposure-Effekt besteht übrigens darin, Menschen mit einem Rätsel zu konfrontieren. So offenbart der chinesische Autor und General Tsun Tsu in seinem Buch „Die Kunst des Krieges“, wie sich eine ganze Gruppe von Menschen „bremsen“ lässt:
Etwas Wunderliches solle man den Menschen begegnen lassen, etwas Unbekanntes. Dies, so seine Erfahrung, lässt sie innehalten und sich in Selbstvergessenheit dieser unbekannten Sache widmen.

Auch die Kunstsammlerin Margarete Oppenheim hatte eine tiefe Einsicht in diese Erfahrung: Sie ließ uns wissen:

„Jede wirklich neue Idee ist eine Aggression.“

Der Mere-Exposure-Effekt nimmt die Unsicherheit und die gefühlte Bedrohung aus einer abwägenden Entscheidung heraus.

Sie erinnern sich vielleicht an diesen Text, der neben logischen Buchstaben auch eine Reihe von chaotisch angeordneten Zahlen enthält? Wir lesen, während unser Gehirn aufgrund unserer Erfahrungen die Worte ergänzt.
Wir lesen – und phantasieren nach Bauchgefühl. In diesem Text, der durch die sozialen Medien geistert, sind wir bestens zuhause.
Das ist der Mere-Exposure-Effekt.

Der Barnum-Effekt

„An alle Erdbeeresser in der Firma!“

Angenommen, Sie erhielten ein Anschreiben mit dieser etwas netteren „to whom it may concern“-Formel: Wie würden Sie sich wohl fühlen? Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich persönlich angesprochen fühlen wäre eher gering – nicht wahr?

Genau das ist jedoch das kommunikative Format des Barnum-Effektes. Dieser Effekt gibt Ihnen das Gefühl, dass Sie als Persönlichkeit mit Ihren Stärken und Vorlieben gesehen werden. Die getroffenen Aussagen kommen über Allgemeinplätze nicht weit hinaus – bei rhetorisch gut geschulten Gesprächspartnern sind es verlockende Allgemeinplätze.

Der Name geht wohl auf den Zirkus Barnum zurück, der aufgrund seines breit gefächerten Angebots an Darbietungen für „jeden was dabei“ hatte – und große Zuschauermengen anzog.

Dieser Effekt ist gleichzeitig auch ein Teil des Geheimnisses der ganz ganz Großen: Bei internationalen Stars findet sich oft die Aussage

„Er hat gesungen, ich hatte das Gefühl, er singt nur für mich.“

Mit seinem „so konkret wie nötig, so wischi-waschi wie möglich“-Ansatz ist der Barnum-Effekt der Auftakt vieler Verkaufs-Gespräche und Werbe-Anzeigen.
Etwas martialischer ausgedrückt könnte er auch als eine Ladung von Schrot beschrieben werden, mit der ein Verkäufer auf seine vermeintliche Kundschaft schießt.

Fazit: Diese fünf Effekte begegnen uns im Alltag ständig. Sie steuern unsere Entscheidungen, unsere Zeit und die Höhe unserer Kosten. Wenn ich sie durchschaue und meine persönlichen Planungen im Vorfeld priorisiere, wirkt sich das deutlich auf die Souveränität meines Stils aus.

Kontakt:
Patrizia Becker
Fon 0711/ 54 09 64 97
Mobil: 0175/ 22 45 146

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.erfolgmitstil.de