Ein Gespräch beenden – der Zeitfalle entkommen

Ein Gespräch beenden Mann und Frau im Büro reden miteinander in der Pause

„Der Westen hat die Uhren – aber wir haben die Zeit“ umschreiben unsere orientalischen Zeitgenossen gerne das Leben unter dem Diktat des Zeigers.
Und nicht nur die arabische Kultur, auch mancher hiesige Zeitgenosse scheint diese Sicht zu teilen – zumindest, wenn es um das klassische „Schwätzchen“ geht….
Ein Gespräch beenden ohne dem anderen das Gefühl mangelnder Wertschätzung zu geben, ist mitunter Notwendigkeit und Herzensangelegenheit gleichzeitig.

Ein Gespräch beenden – „Ausstiegs-Szenario“ heißt das auf Fach-Chinesisch

Manchmal ist es keine Frage von Sympathie oder Antipathie – sondern von dunkler Vorahnung: Herr oder Frau (jawohl, es gibt auch Männer, die so etwas tun) taucht auf.
Vor der Haustür, vor dem Schreibtisch, gerade dann, wenn man sich nur kurz Kaffee holt – egal. Nicht, dass ich diese Person nicht mag, der Haken liegt woanders: Es gibt kein Entrinnen, keinen Shortcut. Dem freundlichen „Hallo“ folgen jetzt gefühlte drei Millionen weitere Worte.
Mindestens die Hälfte davon sind leider trivial. Egal, wie: Weder meine Zeit noch meine „Speicherkapazität“ reichen momentan aus für diesen kommunikativen Gewaltmarsch….
Eigentlich schade, denn die Person vor mir ist eine originelle und liebenswerte Persönlichkeit – nur leider ohne Sensibilität für irgendwelche höflichen Signale.
Was tun? Der Fach-Jargon hält Hilfe bereit: „Ausstiegs-Szenario“ nennt sich das Wissen um den respektvollen Abgesang.

Ein Gespräch beenden – schon bevor es angefangen hat

Eine effektive Form des Ausstiegs-Szenarios fängt bei mir selber an:
Bin ich dauergemütlich und gewohnt, mich mit möglichst vielen Menschen zu unterhalten? Andauernd? Dann wird es schwierig, dem Gegenüber zu vermitteln, dass ich ausgerechnet jetzt keine Zeit habe. „Aha, aber für alle anderen reicht’s“ wird sich mein Gesprächspartner dann denken.
Egal, was ich jetzt tue, um die Sache abzukürzen, es wirkt degradierend.
Ein Gespräch beenden, ohne einen anderen Menschen zu kränken, das ist auch eine Frage der persönlichen Lebensführung und Zeitplanung. „Glaubwürdigkeit“ heißt hier das Zauberwort.

Respekt ist eine Investition in die Zukunft: Ein Gespräch beenden mit persönlicher Investition

Eine sehr respektvolle Möglichkeit, der Zeitfalle zu entkommen, besteht darin, dass ich einen Termin vereinbare. Einem anderen Menschen die volle Aufmerksamkeit zu schenken, ist eine Form der Hochachtung. Meine persönliche Erfahrung zeigt mir, dass ich mich wohl fühle, wenn jemand mit seinen Gedanken bei mir ist, wenn er mit mir spricht. Mich ansieht. Mir zuhört. Ein Gespräch beenden, das lässt sich elegant mit der Aussicht auf ein ungestörtes Miteinander tun. Die Frage „Wollen wir uns nicht mal in Ruhe auf einen Kaffee zusammensetzen, Frau Meier?“ vermittelt Sympathie, keine Arroganz.

Eine knallharte Linie fahren: Ein Gespräch beenden bei einem unverschämten Vorgehen.

Ich weiß nicht, ob Sie das auch schon mal erlebt haben:
Frau Müller fingiert eine Situation, aus der Sie nicht entweichen können, ohne ihr den persönlichen Willen zu erfüllen. Sie fragt „Oh, darf ich kurz reinkommen?“ und steht schon mitten im Raum. Ohne ihre Antwort abzuwarten. Einfach so an Ihnen vorbeigequetscht.
Dort baut sie sich dann vor dem Stuhl auf und sieht ihn so an, dass sie ihr den anbieten MÜSSEN – es sei denn, Sie haben vor, sich der Höflichkeit zu entziehen.
Oder sie stellt mit lautem „Tock“ ein Tablett voller Kaffeetassen ab – und sieht erwartungsvoll in Ihre Richtung. Der nonverbale Befehl lautet: „Unterbrich Deine Unterhaltung und hilf mir. Sofort.“ Ich kenne diese Situation mittlerweile gut. Und rate Ihnen, falls Sie das Gleiche erleben: Ein Gespräch beenden mit klarer Konsequenz, das sind Sie sich selbst schuldig. Zumal, wenn man es Ihnen in dieser Form aufzwingt.
Haben Sie den Mut, sich dieser dreisten Manipulation zu entziehen, denn sonst, das garantiere ich Ihnen, wird es nicht das letzte Mal sein.
Höflichkeit darf nicht zur Eisenkugel an Ihrem Bein werden.
Ein Gespräch beenden mit Höflichkeit, das klappt nur überzeugend, wenn diese den Respekt vor Ihnen selbst auf hohem Niveau hält.

(Bild: Fotolia/Fotograf: Robert Kneschnke)

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