Entscheider: In zwei Rennen gleichzeitig siegen?

Entscheider: In zwei Rennen gleichzeitig siegen? Als Entscheider sind Sie dann erfolgreich, wenn Sie eine weite Perspektive haben. Haben Sie den richtigen Blickwinkel?

Als Entscheider zeichnen Sie verantwortlich für das Team, das Ergebnis und das Image.
Soweit die offizielle Version. Im Hintergrund dieser Beauftragung jedoch entsteht ein Druck, der selten bewusst erlebt wird. Wollen Sie sich selbst besser verstehen? Dann sollten Sie ihn kennen.

Aus dem Tritt: Der Entscheider mit Persönlichkeit

Mit verbissenem Unterkiefer klappt Mark die Tür hinter sich zu. Jetzt nur noch die Füße hoch und nichts mehr hören. Seine Unit hatte bei den letzten Pitches nicht unbedingt für aufsehenerregende Ergebnisse gesorgt. Genaugenommen lagen sie jetzt bei 85% des Vorjahres. Ein Verlust, so seine Gedanken, den man jedoch unmöglich sehenden Auges seiner Person zuschreiben konnte. Die Nichtbesetzung der frei gewordenen Stellen ging nicht von ihm aus. Ebenso wenig wie die viel zu ernste Atmosphäre. Ganz im Gegenteil. Als Entscheider bemüht er sich um eine positive Fehlerkultur. Und jetzt dieser unfaire Vorwurf! Bei seinen Überstunden, so Marks abschließende Feststellung, muss auch mal ein Fehler seinerseits drin sein. Schließlich ist ein Entscheider auch nur ein Mensch. Morgen, so Mark zu sich selbst, wird durchgezogen. Es reicht.

Wahrnehmung “en passant”?

Marks Erleben spiegelt wider, was schnell in den “Im Vorbeigehen-Modus” gerät.
Einerseits arbeitet das Team gemeinsam auf ein messbares Ergebnis hin, andererseits entwickelt jedes Team-Mitglied seine Persönlichkeit. Oft geschieht dies so quasi nebenbei. Kommen alle positiven Einflüsse zusammen investiert sich ein Entscheider wie Mark in seine Leute. Marks Engagement geht dabei über die klassische „Kümmerung“ hinaus: Er investiert in das Potential seiner Team-Mitglieder. Die Philosophie „Fehler sind eine Lernquelle“ ist sein Leitmotiv.

Die App im Hintergrund: Der Entscheider im „Monitoring“

Was Mark – und auch vielen anderen – dabei nicht bewusst ist, ist die Besonderheit der Entscheider-Situation. Die Entwicklung des Leiters vollzieht sich offen vor den Augen seiner Umgebung. Dies gilt für seine Fehler ebenso wie für seine Lernprozesse. Warum? Aufgrund seines Status wird dem Entscheider deutlich erhöhte Aufmerksamkeit zuteil.
Sein Verhalten wird wesentlich bewusster wahrgenommen als das der Team-Mitglieder.
Mit Engstirnigkeit hat das zunächst einmal nichts zu tun – das bringt unsere menschliche „Software“ so mit sich. Druck verstärkt dies. Dieser Vorgang fühlt sich für uns westlich geprägte Menschen schnell an wie eine Demütigung.

Der österreichische Verhaltensforscher Eibl-Eibesfeldt hat dieses Phänomen so beschrieben:
„Wer den höchsten Rang in einer Gruppe von Tieren oder Menschen hat ist leicht zu erkennen: Es ist derjenige, der am meisten angesehen wird. Daher kommt auch das Wort „Ansehen“.“

Vergleichbar ist das mit einer App, die im Hintergrund läuft. Für viele verstärkt sich hierdurch das Gefühl, besonders gut sein zu müssen deutlich. Der Eigenanspruch, der sich bei einem Entscheider so verstärken kann, „zieht Strom“ ohne Ende. Die Auswirkung auf den „Akku“? Sie ahnen es…..

Versachlichung: Wenn der Entscheider nicht mehr lacht

Sachlichkeit ist eine wertvolle Eigenschaft für Entscheider. Genaugenommen gehört sie zu exzellenten Führungskräften wie der Henkel zur Tasse. Sachlichkeit ist die Fähigkeit, sich durch pure Fakten leiten zu lassen, hierdurch eine gemeinsame Plattform herzustellen für das gesamte Team. Sie ist die unauffällige Schwester der Klarheit. Entscheider, die Meetings im Geist einer konstruktiven Sachlichkeit leiten können sind eloquente Profis.

Und doch gibt es, fast wie bei jedem Speisepilz, eine giftige Kopie: Die Sachlichkeit, die aus einer emotionalen Verletzung her rührt transportiert eine belastende Unterkühltheit. Sie baut ein spürbar negatives Spannungsfeld auf. Vor dieser emotionalen Mauer steht häufig ein inneres „Von jetzt an werde ich“….
Wer versachlicht macht äußerlich mit. In Wirklichkeit hat er oder sie die Szenerie innerlich verlassen. Häufige Folgen dieser inneren Rettungsinsel sind durchgängige Gereiztheit und Empfindlichkeit.
Investitionen erfolgen meist auf der Basis knapp kalkulierter Kosten-Nutzen-Rechnungen.

„Aber“, denken Sie jetzt vielleicht, „ist das nicht ein bisschen viel Gejammer? Nicht umsonst nennt man das Gehalt ja auch spöttisch Schmerzensgeld oder Gage. Ist ein Entscheider, der hier schon jammert nicht deutlich überbezahlt?“

Das hohe Risiko des Investors

Vom Entscheider wird erwartet, dass er zuerst investiert – als Vorbild.
Haben Sie auch schon mal jemandem geholfen – auch auf dessen Wunsch hin  – und dann eine Enttäuschung erlebt? Sei es, dass das „Danke“ ganz ausblieb oder Ihre Investition sogar eine arrogante Reaktion nach sich zog: Sicherlich können Sie sich noch an Ihre Enttäuschung erinnern. Wer investiert, macht sich verletzlich. Wer viel investiert, macht sich innerlich so richtig angreifbar. Es mag ungerecht erscheinen, aber wer wenig investiert kommt mit größerer Leichtigkeit aus so einer Situation heraus.
Doch zurück zu Mark. Wie kann er in dieser angespannten Situation mit seinen Frustrationen fertig werden?

Die Delle im Universum kitten

Mark hat jetzt zwei Fronten. Nicht umsonst ist seine Position ja auch unter dem Begriff „Sandwichmanager“ bekannt.
Auch ist bekannt, dass man vonseiten der Unternehmensleitung z.B. Zahlen sehen will (und auch muss).
Die Team – Mitglieder dagegen suchen in ihm den „Bringer“ eines Lebensgefühls. Ja viel mehr noch: Sie wünschen sich einen Garanten der 3. Ebene der Maslow’schen Bedürfnis – Pyramide:
Der Wunsch nach Zugehörigkeit und dem Gefühl, als Mensch gesehen zu werden prägen ihre Erwartungshaltung. Jemand hat mal formuliert „Die Mitarbeiter wollen beim Leiter eher die weiblichen Werte sehen.“ Und Mark? Will Mark auch weiterhin seine Ressourcen abrufen können sollte er jetzt tätig werden.

Diese Punkte führen Mark zu mehr innerem Wohlbefinden und Stabilität:

  • Das Verlagern seiner Quelle. „Bring Dein Thermometer nicht im Raum einer anderen Person unter“ hat jemand mal formuliert. Neudeutsch: Kommt Marks Bestätigung durch die Leute, die er mit den wirtschaftlichen Entscheidungen der Unternehmensleitung konfrontieren muss sind Verletzungen vorgezeichnet. Hart aber wahr ist, dass man nicht die Welt verändern kann von der man geliebt werden will. Nebenbei – es sind die Hoch-Anständigen, die hier scheitern.
  • Mark sollte auf seinem Weg nach oben sein Netzwerk aktiv ausrichten. Dies betrifft den Zugang zu einer Gruppe Gleichgesinnter. (Entscheider auf der gleichen Ebene, nicht Mitbewerber) Neue, adäquate Gesprächspartner zu finden fällt mitunter flach aufgrund des Zeitmangels. Sie kennen den Spruch „Wenn Du der Beste im ganzen Raum bist bist Du im falschen Raum“?
  • Das Gesetz des Handelns in der Hand behalten. Ist Mark in seinen eigenen Augen nur noch „kreidebleicher Vollstrecker“ wird es für ihn sehr gefährlich.
    Verfällt er leicht dem „Element des Elitären“ wenn er eine Opferhaltung entwickelt, die auf der vermeintlichen charakterlichen Deformiertheit seiner Vorgesetzten oder Mitarbeiter beruht. Das Selbstmitleid und die Arroganz, die hierher abstrahlen nehmen seinem Status als Identifkationsfigur Boden weg.
    2. Stärkt er nachhaltig die emotionale Beziehung zu seinem Team, wenn er den Raum seiner Gestaltungshoheit ausfüllt. Auch die Beziehungen der Team-Mitglieder untereinander entwickeln sich dann unter anderen Vorzeichen.
  • Trotz allem: Mark unternimmt einen klugen Schachzug, wenn er sich vor seinem ganzen Team für seinen Fehler entschuldigt. Er beweist damit innere Größe, entzieht dem negativen Reden den Boden – und erfährt den Schutz der Leute, die an ihn glauben. Diese werden dann für ihn argumentieren und ihn so schützen.
  • Die Kommunikationskultur seiner Unit überdenken: Gibt es regelmäßige Möglichkeiten des offenen Austausches? Ich meine nicht die „Meine Tür steht jedem offen“-Politik. Die funktioniert selten. Ich spreche von einem wöchentlichen Meeting, wo zu einer konstruktiven Kultur der Infragestellung ermutigt wird, zur Dissonanz. Entwickelt Mark seine Fragetechnik und wertschätzt die Offenheit kann er schnell erfolgskritische Ressourcen erschließen.
    Voraussetzung: Er kann ertragen, dass andere besser sind als er.
  • Persönliche Kernwerte wählen, die er systematisch entwickelt.
    z.B. Emotionale Stabilität, Klarheit und die Fähigkeit, sich zu distanzieren.
    Für eine schnellere und effektivere Entwicklung seiner Persönlichkeit kann Mark sich auch einen Coach suchen
  • Sich einen regelmäßigen Termin eintragen für puren Genuss. UND JA; ES IST EIN TERMIN!
    Egal ob Whisky und Zigarre einsam im Ledersessel oder Squash mit dem Kumpel – hier sollte er sich selbst „Vollzug“ melden. WÖCHENTLICH!

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