Entwertungserlebnis à la carte:

Kovac und der Tweet von Bayern München
Wer eine Persönlichkeit wie einen wertlosen Gegenstand behandelt, verschafft ihr ein Entwertungserlebnis. In der Regel rächt sich das.

Entwertungserlebnis nennt man das, wenn ein Mensch eine degradierende Erfahrung macht.
Angebrüllt zu werden ist so eine Erfahrung. Niedriger eingestuft zu werden im Job ist auch eine – und Entlassen zu werden ist erst recht eine.

Auch behandelt zu werden wie eine Massenwurfsendung zählt dazu: Es ist ebenfalls ein Entwertungserlebnis.

Schnell mal aufräumen: Das Entwertungserlebnis als Textbaustein

Was ist hier passiert? FC-Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic verkündet mit markigen Worten über Twitter, was er jetzt – nach dem Weggang von Trainer Kovac – von der Mannschaft erwartet. Das waren allerdings nicht seine eigenen markigen Worte, sondern die, mit denen 2017 auch schon hinterTrainer  Carlos Ancelotti aufgeräumt wurde.

Zielgerichtet oder mangelndes politisches Geschick?

Die einen setzen ein Entwertungserlebnis zielgerichtet ein, um ihr Gegenüber zu schwächen – die anderen einfach im Zeitdruck und aus Unüberlegtheit. Besser macht es das keineswegs:
Eine bekannte Persönlichkeit vor den Augen der ganzen Welt in den Kontext eines schnöden Vordrucks zu pressen, ist einfach nur peinlich.

Der Tweet, mit dem man von Bayern München aus die Entlassung von Nico Kovac kommentierte, ist dieses Vereins nicht würdig.

Besonders brisant: Der Oldschool-Kontext der Vereinsführung verlangt nach Stil

Zu den positiven Eigenschaften des Oldschool-Auftrittes zählt eigentlich Anstand im Umgang mit Unterlegenen. Das ist hier nicht umgesetzt worden: Die Wiederverwendung des Tweets über Leidensgenossen Ancelotti hat fast schon etwas von „Nachtreten“.
Wer auch immer die Verantwortung für das sportliche Bayern-Malheur trägt: Diese Geste entbehrt jedweder Grandezza und jedweden Stils. „Leichenfledderei“ nennt man das – der Beigeschmack der Verächtlichkeit gegenüber dem stillosen Handeln ist dabei durchaus gewollt.

Angemessenheit statt Entwertungserlebnis

Zu den klassischen Fähigkeiten großer Leiter zählt auch der stilvolle Umgang mit dem Verlierer.
Der wird hier von den Fans zu Recht vermisst: „Mia san mia“ funktioniert eben nicht als Konzept der unüberlegten Verlautbarungen. Die Identifikation mit der Marke Bayern München entsteht auf der Grundlage aufrichtigen Kampfgeistes. Und der schließt nun mal tiefen Respekt mit ein.


Kontakt:
Patrizia Becker
Fon: 0711/ 54 09 64 97
Mobil: 0175/ 22 45 146
Mail: info@erfolgmitstil.de