Königin Silvia von Schweden eröffnet Tages-Stätte in München

Silvia von Schweden erzählt, wie sie zur Arbeit mit Demenzkranken kam. Die Schrimherrin der SilviaHemmet-Stiftung für Demenzkranke beim Symposium in München

Manchmal werden Träume wahr, die man nie zu träumen wagte.
So für mich, als ich vergangenes Wochenende die schwedische Monarchin Königin Silvia live erlebte. 300 geladene Gäste zählte das Symposium, unter ihnen Angehörige aus Adel, Prominenz und Wirtschaft.

Der Anlass: Die Eröffnung einer Tages-Stätte für Demenz durch Königin Silvia von Schweden

Die schwedische Monarchin hat einmal gesagt, dass sie ihr Dasein als Königin ansieht wie einen Beruf. Vor diesem Hintergrund ist ihre Stiftung entstanden, die sich der Lebensqualität Demenzkranker widmet. Die Schirmherrin verleiht das Recht auf den Namen „SilviaHemmet“ denjenigen, die strenge Auflagen erfüllen. So sind unter der Flagge des Malteser Ordens in Deutschland bisher drei Tages-Stätten entstanden – unter anderem diese hier in München.
Die Idee zu dieser Hilfe entstand aus tiefer Not: Die Mutter der Königin war hilflos in ihrer Demenz.

Demenz muss kein Horror mehr sein, das stellt man bei der Besichtigung der Räume ziemlich schnell fest.
Typische Gegenstände aus der „aktiven Zeit“ der Gäste laden zum Gestalten ein. Weit entfernt von der bevormundenden  Beschäftigungstherapie einiger Einrichtungen ist diese Einladung zur Aktivität. Die herzliche Atmosphäre verlockt geradezu. Der Image-Film bestätigt den Eindruck: „Satt und sauber“, der gefürchtete Standard in ebensolchen „Senioren-Verwaltungen“ ist Grundvoraussetzung.
Die Selbstbestimmtheit und Würdigung der Persönlichkeit gelten als oberstes Gebot.
Ehrenamtliche Helfer garantieren als Mitgestalter, dass die Ideen der Senioren umgesetzt werden:
So gestaltet der Gärtner auch weiterhin professionell die Grünanlage – als Impulsgeber.

Eine Aura von  Warmherzigkeit und Demut: Königin Silvia von Schweden umgibt ein besonderes Flair

Nach ihren Schönheitstipps befragt sagte die Schauspielerin Audrey Hepburn einmal:
„Für schöne Lippen sprich freundliche Worte. Für schöne Augen sehe das Gute im Menschen.
Die schwedische Königin scheint diese Tipps früh gelesen zu haben. Sie verleiht jedem Bild diese leise Energie, diesen royalen Edelmut, den wir als Kinder immer nachzuspielen versuchten.
Dabei bestand unsere Herausforderung darin, furchtbar wichtig geradeaus zu gucken und Dinge zu sagen, die auch von Meiser Yoda stammen könnten. Königin Silvia von Schweden hat all dies nicht nötig. Sie beherrscht die Kunst Noblesse und ungekünstelte Einfachheit zu einer Vornehmheit zu verschmelzen, von der jeder schwärmt. Aristokrat oder Arbeiter: Bei ihr scheint sich jeder wohl zu fühlen. Vielleicht ist es genau das, was Königin Silvia von Schweden zu einer zutiefst respektierten Persönlichkeit macht: Ihr Engagement für Menschen drückt sich nicht nur in zahlreichen Organisationen aus, es ist an ihrer Persönlichkeit wahrnehmbar.

Wenn höfisches Protokoll „den Ball flach hält“: Königin Silvia von Schweden und die Speisekarte

Vielleicht erinnern Sie sich noch an einen beliebten Kunstgriff der früheren Werbung? Dort hieß es immer „Wenn der Chef zum Essen kommt“. Dieses Szenario setzte einen sofort in inneren Druck:
„Alles muss besonders gut und perfekt sein“. Und somit teuer. Mit der Ankündigung des Chefs zum Essen wurde immer ein Produkt der obersten Preisklasse vorgestellt.
Die Steigerung hiervon ist „wenn die Königin zum Essen kommt“. Die Auswahl des Essens kann dann schnell zur zeit- und kostenintensiven Hauptsache werden. Hier hat die Monarchin klug vorgebaut: Ein Weißwurstfrühstück sollte es sein. Etwas, was sich jeder leisten kann. Die Kunst einen gemeinsamen Nenner herzustellen ist die Kunst der Einfachheit. Die Kunst der sozialen Wärme.
Die Kunst, privilegiert zu sein ohne Ressentiments zu erzeugen.
Königin Silvia von Schweden beherrscht diese Kunst. Mit ihrer Fähigkeit, den Akzent dort zu belassen, wo er inhaltlich hingehört und in Bescheidenheit das wirklich Große zu zelebrieren: Das menschliche Miteinander. Etwas, was sich jeder leisten kann.

Einige von Ihnen können jetzt mühelos den Gemahl der englischen Königin vor Augen rufen: Prinz Philip von England ist bekannt für seinen pointierten und trockenen Humor.

So wird ihm nachgesagt, eine Eröffnung einmal mit den Worten „Ich erkläre dieses Dingen für eröffnet – was immer es auch sein mag“ vorgenommen zu haben. Sein deutsches Pendant ist Thomas Gottschalk, bei dem man nie wusste, ob er Witze über das Toupet des Aufsichtsratsvorsitzenden macht.

Souveränität kann viele Erscheinungsformen haben. Die der Königin Silvia von Schweden scheint auch in einer konstanten Frische zu bestehen: Vielleicht ist es ihrer halb brasilianischen Herkunft zuzuschreiben, dass sie in einer Gruppe von Menschen immer brilliert, nie routiniert oder gar gelangweilt wirkt.
Im Kanon der Vortragenden besticht sie durch leise Pointiertheit, nicht die Hauptrolle scheint ihr in der Seele zu brennen, sondern das Vorwärtsbringen der Aufgabe, die Begegnung.
Für diese findet Königin Silvia von Schweden in der bayerischen Ministerin für Gesundheit, Melanie Huml und den Gestaltern auf Seiten des Malteser Ordens starke Verbündete.


Geisteshaltung und Herzensanliegen: Der Nachhall des Tages mit Königin Silvia von Schweden

Wie machen Sie es, wenn Sie mit anderen Menschen zusammen waren?
Eine meiner Gewohnheiten ist, im Anschluss an eine gemeinsame Zeit einfach in mich hinein zu hören. Bewaffnet mit Zeit reflektiere ich Atmosphäre und Geschehen.

Wie heißt es so schön beim Eindrucksmanagement? Der letzte Eindruck ist der bleibende.
Auch jetzt, eine Woche nach dem Symposium, bin ich  noch sehr berührt von dem Erlebten.
Nicht in erster Linie, weil ich Königin Silvia von Schweden live erleben durfte, mich zu einer handverlesenen Schar zählen durfte. Das war eine große Ehre.

Zutiefst beeindruckt und berührt bin ich, weil das wirklich Große an diesem Tag im Unbezahlbaren lag: In der inneren Hingabe der Malteser an die Menschen, in ihrer herzlichen Wärme in Verbindung mit der „altmodischen Tugend Demut“. Diese schaffen eine Oase, die einer Sicherheitszone gegen die Stürme des Lebens gleicht. Spürbar war das überall: In der Gestaltung der Tagesstätte, im Imagefilm und während des Tages. Berührt bin ich einmal mehr von Königin Silvia von Schweden, die mir seit Jahren ein Vorbild ist. Die Hausherrin von Drottningholm versteht es, schon durch ihre Präsenz ein Zuhause zu schaffen. In leiser Stärke. In vorausschauender Passion. Mit der Kunst, den Akzent auf das „Wir“ zu setzen.