Krankenstand und Frustration: Gipsbein mit Reißverschluss fürs Wochenende?

Die Ursachen für Krankenstand Das Thema Krankenstand bietet Stoff für Ursachenforschung: Wie Sie ihn angehen lesen Sie hier.

Der Krankenstand in Deutschland steigt wieder an.
Der Kampf um die Talente, innerer Anstand und Plattformen wie “Kununu” erfordern Ursachenforschung und Bekämpfung dort, wo es möglich ist.

Krankenstand und Ursachenbekämpfung früher: Der Chef kam zur „Stippvisite“

Krankenstand hat seine Ursachen. Diese herauszufinden ist mitunter eine „Aufgabe für einen, der Vater und Mutter erschlagen hat“. Denn natürlich weiß man, wer wirklich krank ist und wer – nennen wir es mal höflich – „sehr zartbesaitet“ ist. Das hat man einfach im Gefühl, für so etwas hat man über die Jahre hinweg einen Riecher entwickelt.

Das Industriezeitalter lieferte ein Gerüst aus Werten und Drohpotential:
Ehrenhaft war, wer nie krank machte. Oder fast nie. So jemand konnte sich auch schon mal drauf verlassen, dass die Firma das über längere Zeit mittrug. Der allseits bekannte Dauerschwänzer dagegen lief Gefahr, vom Chef unangekündigt persönlich besucht zu werden. Selbstverständlich in der Hoffnung, ihn fieberfrei außerhalb des Bettes zu erwischen. (Tatsächliche Begebenheit) Dann ermöglichte das Gesetz eine Entlassung mit Aussicht auf Erfolg. Aussagen wie „In den ganzen Jahren war ich nur 10 Tage krank.“ hört man von den Gestaltern dieses Zeitalters heute noch häufig – im Brust-Ton des Stolzes.

Die Zusammenhänge für Umstrukturierungen konnten damals vor Ort beobachtet und abreagiert werden. Da war man dann eben wütend oder nicht, je nachdem. Aber man war nicht krank. (Nur der mit dem KPD-Blättchen schoss immer dagegen.) Ansonsten gab es für das Thema Krankenstand einen relativ breiten, gefühlten Konsens. Sich irgendwo nicht wohlzufühlen war kein Grund dafür. Krank war richtig krank. So messbar äußerlich eben. Anders war man gesund. Und kam dann auch. Den Krankenstand erhöhen, das stand auf dem Index.
Klingt bisschen simpel? Sie haben recht. Ich bitte Sie trotzdem: Machen Sie einfach mit mir mal einen eleganten Lapsus um des guten Zweckes willen.

Krankenstand und das Augenrollen der Führungskraft: „Heute muss Du die in Watte packen“

„Heute kannst Du denen nichts mehr sagen, da musst Du ganz vorsichtig sein.“ Im Moment höre ich Führungskräfte öfters so reden. Dabei ist häufiger von jungen Leuten die Rede, deren Sozialverhalten und Gemeinwohldenken im Sinkflug begriffen sei. Dies betreffe nicht nur den rasch angemeldeten Krankenstand, sondern auch die gesamte Erwartungshaltung dem Arbeitgeber gegenüber. Manieren, so ist von vielen Seiten zu hören, seien gänzlich Mangelware. Ganz Verbitterte ziehen gar Bilanz „Ich will keine Leute mehr führen.“ Auf die Frage „Warum denn nicht?“ lautet die Antwort dann so ungefähr „Mmmmhh, die sozialen Medien wahrscheinlich, die ändern viel.“

Krankenstand und Deutungshoheit: Wenn „Donuts fahren“ heilt…

Sie ermitteln den Krankenstand der Woche und stellen fest: Einer fehlt. Was tun, wenn dann in der nächsten Woche ein Handy-Filmchen im Unternehmen auftaucht, in welchem Ihr kränkelnder Schützling breit grinsend aus einem Auto steigt – mit qualmenden Reifen und schwarzen Kringeln auf dem Asphalt sich brüstend? Wütend sein? Wäre verständlich, hilft aber nicht. Ironisch fragen „Naaa, was hatten wir denn“? Auch verständlich, würde aber nur zur Vermutung des Neid-Motives führen. Außerdem zur inneren Abschottung des „Corpus Delicti“. Disziplinarische Konsequenzen erwägen? Den Satz „Den Prozess gewinnste“ schreibt man mittlerweile eher erfolglosen Friseurbesuchen zu – auch wäre es zerstörerisch, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Sie wollen Ihre Mitarbeiter ja für das Unternehmen gewinnen, im Klartext heißt das: Für sich selbst als Führungskraft.

Durch soziale Dauer-Wellness Betriebsklima und Krankenstand beeinflussen?

Der vielgelobte Unterschied zwischen „Boss“ und „Leader“ ist ja mittlerweile in X Illustrationen jedem vor Augen. Einer kommandiert, einer inspiriert. Wäre es doch nur immer so einfach, die Guten zu entdecken. Und wäre es doch nur immer so einfach, zu den Guten zu gehören.
Wie hat ein Lehrer mal gesagt? „Soziales Lernen vollzieht sich anders als intellektuelles Lernen. Sozial Gelerntes vergisst man, wenn es nicht täglich wiederholt wird. Das andere muss man nur auffrischen.“
Leider wahr. Auch, wenn es nicht immer mit so dramatischen Auswirkungen wie Krankenstand zu tun hat, quer durch alles Altersgruppen führt mangelnder Anspruch schnell zur negativen Eigendynamik.

Diagonale Kommunikation als Liebestöter: Vor dem Krankenstand kommt das emotionale Abtauchen

Ich frage mich häufig, was Leute dazu bringt, sich in Casting-Shows degradieren zu lassen. Was sie dazu bringt, mit „der Möhre vor Augen“ sämtliche Grenzen zu überwinden und sich auch total zu verausgaben. Vielleicht ist es die Aussicht, dem persönlichen Traum hier nah zu sein?
Die Casting-Shows beweisen gerade im Fall der jungen Leute, dass viele Menschen absolut leistungswillig sind, und bereit, die härtesten Bedingungen zu akzeptieren– wenn sie eine lohnenswerte Welt betreten können. Eine Welt, die darauf wartet, sich von ihren Künsten beeindrucken zu lassen. Eine Welt, die sie aus ihrer Perspektive heraus gestalten können – als die Person, die sie am liebsten sind.
Krankenstand ist da gar kein Thema mehr. Eher kann der Eindruck entstehen, dass man ungesunde Risiken auf sich nehmen würde um hier zu punkten.
Vielleicht liegt eine Möglichkeit zu mehr innerem Feuer im Unternehmen tatsächlich auch hierin:
Ist jemand da, der sich beeindrucken lässt? Oder ist – bestenfalls – eine Erfüllung der vorgegebenen Aufgaben als Hauptpreis ausgelobt? Wie langweilig! Da, wo Vorgaben das Non-Plus-Ultra sind werden nur Wenige ihr Glück finden. Man sagt, jede Person hat ihre „Liebessprache“. Der eine empfindet es als Wertschätzung, dass immer Zeit ist, ein Klavierstück zu hören, für den anderen ist es die Freiheit, mit Kumpels den Kegelausflug auf dem Cruiser zu machen. Die „Liebessprache“ dieser Zeit ist definitiv, als Mensch gehört und gesehen zu werden. Einen eigenen Ausdruck zu geben dem, wie die Welt aussieht.
„Ich fühle mich nicht gesehen“ ist nicht umsonst ein beliebter rhetorischer Kunstgriff für die Aussage „ Sie wissen nicht, um was es hier wirklich geht.“

Petersilie in den Ohren? Eingefahrene Kommunikationsmuster und Krankenstand

„Ich sag da nichts mehr.“ Oh-oh, hier haben wir ein U-Boot. Sie wissen schon: Eins von diesen Dingern, was gar nicht da sein darf in der neuen, schönen Führungswelt, es auch rein theoretisch nicht ist, aber praktisch irgendwann doch auftauchen wird.
Wir Menschen haben die Gabe, Dinge auszublenden, die uns hilflos machen. Oder unserem Selbstbild widersprechen. „Und so schließt er messerscharf, das nicht sein kann was nicht sein darf.“ umreißt ein Sprichwort diese selbstzerstörerische Eil-Entscheidung.
Was, wenn unser low-performing Gegenüber eine wandelnde Botschaft an uns ist, dass etwas mit unserem Sozialverhalten nicht mehr stimmt? Wir vielleicht so etwas sozial Heroisches sagen wie „Wer mit mir reden will, kann kommen. Meine Tür steht immer offen. „ Und die Tatsache, dass keiner die Einladung annimmt fehldeuten?
Überkommene Strukturen leben von zementierten Grundannahmen. Töten.
Erst das zarte Pflänzchen aufmerksame Berührbarkeit. Dann die emotionale Präsenz. In der Regel münden sie in eine Art „freizeitorientierte Schonhaltung“.

Oft sind die besten Mittel die einfachsten. Zuhören zum Beispiel. Während ich das schreibe, fallen mir die sehnsüchtigen Berichte ein. Teilweise mit roten, leicht feuchten Augen – bei einem erwachsenen Mann, nicht bei einem Azubi. Da ging es auch um Krankheit, Krankenstand. Und es ging immer um eine Führungskraft, die sich wirklich für einen interessiert hat, Zeit genommen hat.

Das Pferd von vorne aufzäumen: Wider die Vorläufer des Krankenstandes

Ich will hier nicht darauf rumtrommeln, dass die Führungskraft  der Unaufmerksame ist, der nicht zuhört. Der Festgefahrene. Auch als junger Mensch kann man schon total festgefahren sein. Und als Frau ist man nicht immer ein Opfer.
Das Gesetz des Handelns allerdings sollte möglichst bei einer Führungskraft liegen. Ich bin mir sicher, dass dieser erste Schritt eine Ansprechbarkeit freisetzt, die es für alle leichter macht. Dies wird nicht in der ersten Woche geschehen, es wird etwas  Durchhaltevermögen erfordern. Und Frustrationstoleranz. Denn die Lernerfahrung der Mitarbeiter kommt dann eher aus der Beobachtung, bei Frustration nicht mehr so sehr aus den Worten. Wer sich innerlich abgekoppelt hat, sucht ach belastbaren Beweisen, schützt sich selbst, indem er die Investition des anderen höher setzt.

Meine Erfahrung mit Menschen, speziell mit jungen Leuten ist: Wenn ich mich beeindrucken lasse von ihren Schlussfolgerungen, ihre Gedanken und Fähigkeiten würdige, ernte ich Offenheit. Und aufmerksame innere Ansprechbarkeit.

Die Zerreißprobe der Führungskraft: Malen nach Zahlen

„Paroles, paroles, paroles…“ (Worte, Worte, sinngemäß: „Nichts als Worte…“)Die Protagonisten brachten es mit der besungenen Malaise zum Welthit. Die Sängerin Dalida und der Schauspieler Alain Delon vertonten, was sich schnell als tödliche Gefahr für jedes soziale und wirtschaftliche Konstrukt erweisen kann: Den Verlust der Glaubwürdigkeit. Und der kommt schnell, wenn Worte sich nicht in Taten widerspiegeln. Hier bekommt besonders die Sandwichposition des mittleren Managements ihren Stresspunkt: Die „oben“ wollen Zahlen sehen die „unten“ wollen eher, dass man ihnen zuhört und anhand von Soft Skills und Vorbild führt.

Besonders Unternehmen, die sich ein positives Miteinander auf die Fahne geschrieben haben, sind hier gefährdet. Sehr schnell bleiben die sorgsam erarbeiteten Werte als Worthülse übrig, während im Alltag das „Eilige das Wichtige überholt“. An der hohen Erwartung kühlt die Emotion ab, wenn sie enttäuscht wird. Der tägliche Zeit- und Erfolgsdruck hat einen schnell im Griff und dann gerät dieses Vorhaben automatisch in den Hintergrund. Bleibt das über längere Zeit so, ist ein erhöhter Krankenstand schnell die Folge.

Leise Akzentverschiebung: Wessen Prügel tun am meisten weh?

Es ist menschlich, zu überlgen „Was könnte passieren?“ und dann konsequent diese gefühlte oder reale Drohkulisse abzuarbeiten. Alle Arten von Unternehmen finden sich irgendwann mal in diesen reflexartigen Abläufen wieder – zuletzt schrieb man den Abgas-Skandal bei VW dieser Dynamik zu.
Wie kann eine erfolgreiche Kommunikationskultur aussehen?

Vielleicht erkennen Sie sich jetzt in diesem Artikel an der einen oder anderen Stelle wieder. Wäre es für Sie vorstellbar, Termine ohne Zielsetzung mit Ihren Mitarbeitern zu finden? Einzel-Termine?
Auf regelmäßiger Basis? Große Worte, gelassen ausgesprochen. Das Risiko einzugehen hilft, einen hohen Krankenstand zu senken.
Und mehr als das: Es ist ein Gegengift. Gegen das Gipsbein mit Reißverschluss fürs Wochenende.

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