Sie wollen Meinungsführer werden?

11 Faktoren, die maßgeblich über Ihren Erfolg entscheiden
Meinungsführer werden ist eine Sache vorausschauender Planung. Meinungsführer werden bedeutet, gesellschaftliche Trends und Stimmungen richtig einschätzen zu können.

Irgendwo zwischen Kultur, Disruption und einem messbaren Ergebnis findet er statt, der kulturelle Wandel. Wer Meinungsführer werden will, tut sich auch hier mit einem stilvollen Auftreten einen großen Gefallen. Eine Tatsache  bleibt auch im Zeitalter der VUCA erhalten: Es ist immer ein Bündel an Faktoren, welches zum Erfolg führt. Dies betrifft auch den Stil der Führung.

Eigentlich, so sollte man meinen, hat der „Ansager“ des vergangenen Jahrtausends ausgedient. Bei genauer Betrachtung allerdings kann man eher den Eindruck gewinnen, dass er lediglich in einer anderen Perspektive erscheint: Es ist der Impulsgeber aus der Erfolgsnische, der Standards setzt. Und was von dort kommt, klingt keineswegs nach „Streichelzoo“.

„Jeder erfolgreiche Mensch sollte morgens beunruhigt aufwachen.“ Jeff Bezos, CEO von amazon.

Die 6000-fach geteilte Ansage (1) von Bezos würde sich wohl kaum einer derartigen Beliebtheit erfreuen, käme sie aus den eigenen Mauern.
(Noch dazu in diesem Ton….)
Wie aber kann es gelingen, auch intern maßgebliche Impulse zu setzen und durch Forderungen Prozesse anzustoßen?

  1. Meinungsführer „light?“ Die Halbwertzeit von Position und Titel

Gehört es nicht zu den größten Herausforderungen des Menschen, von seinen Errungenschaften abzusehen? Diese Fähigkeit wird momentan favorisiert. Titel entfallen zunehmend, übrig bleibt der Name. Auch Positionen führen nicht mehr automatisch zur Autorität: Authentizität wird oft sogar höher bewertet.

Menschlich soll er sein, der Leiter. Ob er auch wirklich der Coach seines Teams sein soll, darüber streiten sich die Gelehrten ja nun mittlerweile. Unstrittig ist jedoch, dass er über ein Bündel an empathischen Fähigkeiten verfügen muss, um sein Team weiterzuentwickeln.

Sowohl die Position als auch ein Titel untermauern nur noch teilweise die Berechtigung, Meinung zu prägen.
Auch scheint der Anweisungsgeber aus dem letzten Jahrtausend einer aussterbenden Spezies anzugehören. Die Erwartungshaltung geht in Richtung des Stichwortgebers. Zu den großen Leistungen eines Entscheiders heute zählt sicherlich die Fähigkeit, einen verlässlichen Rahmen zu erstellen, der die Eroberung neuer Denk- und Handlungsräume ermöglicht.

Klaus Josef Lutz, CEO der Baywa AG, sieht eine Herausforderung hier in der Belastbarkeit der Aussagen: „Eine Führungskraft muss jederzeit zitierfähig sein.“

Dies gilt sowohl in Unternehmen als auch in der Gesellschaft, bzw. in der Politik.

  1. Diskretion

Nennen wir’s doch mal beim Namen: Früher war nicht alles besser. Es war nur alles ohne Handy und youtube.

Doch das ist nicht der einzige Grund für einen verstärkten Druck auf den, der Meinungsführer werden will: An mancher Stelle galt ein Gentleman’s Agreement. Man hat über Dinge einfach nicht öffentlich geredet. Oder nur ganz selten. (Und in der Presse auch nur, wenn Position und Reputation eine Berechtigung dazu verlieh.) Die ein bis zwei Sätze, die dann fielen, wurden wiederum mit einem Grundverständnis einer gewissen Vorsicht gehandhabt – und Respekt vor dem Amt.

Kurzum: Es existierte für Autoritäten (yep, so hießen die seinerzeit) eine Art Immunstatus. Dieser beruhte auf einem etwas breiteren gesellschaftlichen Konsens.

War das wirklich so gut?

Vielleicht müssen wir hier nicht lange darüber reden, dass eine höhere Position nur dann erfolgreich ausgeübt werden kann, wenn der Inhaber ein Vorbild ist.
Die Messlatte wird an den, der Meinungsführer werden will deutlich höher angelegt.
Nicht nur dadurch entsteht für den, der Meinungsführer werden will, ein enormer Druck. Auch die Darstellung einer Person in den sozialen Medien trägt deutlich dazu bei.

Für sehr gefährlich halte ich die Mischung aus Klickzahlen – Journalismus, Geltungssucht und Sucht nach Bloßstellung, die über die sozialen Medien kommt.

Peinliche Momente und Fehler passieren jedem einmal. Wer Meinungsführer werden will, muss damit rechnen, dass ihm gegenüber hier eher keine Gnade geübt wird. Gilt für „Normalsterbliche“ das Gesetz der Menschlichkeit, („das ist menschlich und passiert jedem mal“) muss der Meinungsführer damit rechnen, der Sogwirkung des Voyeurismus preisgegeben zu werden. Dies geschieht sowohl durch das gegnerische Lager als auch durch Menschen, die daran verdienen – ohne jeden persönlichen Bezug.

Wer die innere Härte entwickelt, solche Situationen durchzustehen, kann große Bereiche eines Unternehmens und der Gesellschaft erreichen. (Nennt man Politiker nicht auch gelegentlich „die Leute mit den schmalen Lippen“? Sie, deren Beruf mit sich bringt, dass sie viel “einstecken” müssen, stehen wohl an der Front dieser Gesetzmäßigkeit.)

  1. Gesichtslose Gegnerschaft – bewegliches Ziel

Wer Meinungsführer werden will, sieht sich zunehmend einer gesichtslosen Gegnerschaft ausgeliefert: Stimmungsbilder, die verstärkt über soziale Medien aufgebaut werden, entstehen „wie aus dem Nichts“.

„Ich war erstaunt über die Menge an Hass, die da gekommen ist“ lauten die Statements zunehmend.
Sie kommen nicht von Menschen, die radikale Meinungen vertreten, wie man vielleicht zunächst annehmen könnte: Protagonisten eines menschlichen Miteinanders werden mit Häme überschüttet.

„Bashing“ nennt man das dann, wenn jemandem über eine Meinungsmache „voll eingeschenkt wird“.

Darauf kann sich eine Führungskraft einstellen – wenn sie eine Tatsache in Betracht zieht:
Wer Meinungsführer werden will, muss mit der Tatsache leben, eine Projektionsfläche zu sein.

  1. Wie eine weiße Leinwand: Meinungsführer werden zur Projektionsfläche

Nur zu bekannt ist die Metapher vom indischen Elefanten: Diese Spezies merkt sich alles – für ewige Zeiten. Damit ist er nicht ganz allein. Auch wir Menschen verarbeiten Erlebnisse, indem wir das Erlebte einer Persönlichkeit zuordnen – und abspeichern.

Diese Zuordnung steuert fortan unsere Wahrnehmungsfilter.
Sie verschafft Zugangsmonopole.
Sie verhindert oder ermöglicht, dass eine Botschaft oder Person gut ankommt.
„Image“ heißt das Wort, welches diese Gesetzmäßigkeiten umreißt.
Auf den Märkten der Zukunft wird es zum Zünglein an der Waage – für oder gegen den Erfolg.

Nicht allein Erlebtes fließt in diese Bewertung ein: Auch Eigenschaften unterliegen dieser entscheidenden Konnotation. Festgemacht werden sie an Äußerlichkeiten.

So will es der Zeitgeist z.B., dass die Krawatte, die früher zur Grundausstattung eines seriösen Geschäftsmannes gehörte, aus den Vorstandsetagen weicht. Warum eigentlich genau?
Mittlerweile wird der „Kulturstrick“ zunehmend mit Macht, innerer Kälte und mangelnder Ansprechbarkeit konnotiert. Grund genug für einige CEOs, sich dieses Accessoires an vielen Stellen zu entledigen. Augenhöhe, eine erfolgskritische Komponente für die Begeisterung und Bindung der “besten Köpfe”, will sich durch dieses Distanz – stiftende Stück Seide einfach nicht so recht einstellen.

Verdichtet erscheint diese Gesetzmäßigkeit übrigens beim ersten Eindruck: Innerhalb von Sekunden fällen wir eine Grundsatzentscheidung anhand des äußeren Erscheinungsbildes. Innerhalb der ersten Sekunden entscheidet sich oft, ob jemand Chancen hat, sein Produkt „an den Mann zu bringen“ oder eben nicht. Nicht die Vernunft ist dabei kriegsentscheidend, sondern dieses innere „Like“.
„Was das Herz haben will, rechtfertigt der Kopf“ hat das ein kluger Mensch mal umschrieben.
Und nein, es gilt nicht nur, wenn Frauen beim Schuhekaufen angeblich so viel sparen….

Die “weiße Leinwand”, die uns in Gestalt einer Führungskraft, einer Autorität gegenüber tritt, füllen wir mit dem Resumée unserer Erlebnisse und Zuschreibungen.

Sie möchten ein Beispiel? Voilà:
Wenn Lady Gaga oder die Stones touren, ist das eine Geschichte mit einer Menge von Sattelschleppern und Bühnenausstattung zu astronomischen Preisen.
Haben Sie schon einmal etwas von einer Riesen-Protest-Welle dagegen gehört? Also gegen diese Verschwendung? Oder die Umweltverschmutzung? Wohl eher nicht. Diese Großverdiener gehen so durch. Warum?
Sie bringen Spaß und Freiheit. Auch, wenn man mit den entstehenden Kosten eine Menge von hungernden Kindern ernähren könnte und diese legendären Stimmen auch mit weniger Pomp gut rüberkämen – egal. Spaß muss sein!

Kommt einer im blauen Anzug mit einem Dienstwagen der gehobenen Klasse, ist er ein Kapitalist, Egoist und Verschwender. Kein Wunder: Der dunkelblaue Anzug steht für Macht – ebenso wie der Dienstwagen. Beide gelten vielen als Status – Symbole in einer Welt, die auch durch Distanz, Strategie und Hierarchie geordnet wird. Eine zahlengetriebene Welt, in der viele Menschen Angst haben, nicht mehr gesehen zu werden, sondern unter die Räder der von Egoismus getriebenen Gewinnmaximierung zu kommen.

Der Anspruch an Gestaltungs – Hoheit tut sein übriges, um Befürchtungen zu wecken.
Als Autoritäts -Signale werden diese Signale (die Farbe Marineblau, die Krawatte, etc. übrigens auch bezeichnet. Sämtlicher erlebter Missbrauch von Autorität wird auf den projiziert, der sie trägt.

Wer Meinungsführer werden will, sollte diese Signalwirkungen kennen und sich vorausschauend in dieser Welt bewegen. Wer Relevanz hat, wird auf jede Kleinigkeit hin abgecheckt. Auch aus diesem Grund geben sich Gross – unternehmen in ihren Image – Kampagnen alle erdenkliche Mühe, um dem Unternehmen ein „menschliches“ Gesicht zu geben – eines, das man fühlen kann.

  1. Meinungsführer werden erfolgreich, wenn sie das „innere Ticken des Stammes“ verstehen

Das kulturelle Umfeld spielt eine wesentliche Rolle für den, der Meinungsführer werden will.
Auch, wenn es nicht unbedingt nötig ist, dass er sich im emotionalen Gleichklang mit den Menschen bewegt: Er sollte ihren Standpunkt verstehen. Er sollte die Gefühle nachvollziehen können. Zu wissen, was den Menschen um ihn her bewegt, stiftet eine Verbindung.

Lebt jemand total entgegengesetzt zu den Werten der Gemeinschaft, kann durch eine gute Kommunikation und durch die Wertschätzung der Verschiedenheit eine bereichernde Verbindung unterstützt werden. (Diversity)

Besonders im Bereich der Disruption sowie des kulturellen Wandels sind diese kommunikativen Fähigkeiten wichtig.
Wäre früher in manchem Unternehmen die Disruption nur ein Störfaktor gewesen – und der kreative und experimentierfreudige Mensch ein Störenfried – wird sein Wirken heute oft ganz bewusst gefördert.

Dabei ist allerdings wichtig, dass eine Persönlichkeit mit Blick auf die Zielkultur ihren Platz einnimmt.
Die Impulse, die zu einer bereichernden Veränderung führen können, sollten mit Blick in die Zukunft zugelassen werden: Wenn sie zur Zielkultur passen, tragen sie auch zur Wertschöpfungskette bei.

Wer Meinungsführer werden will, sollte sein Umfeld diesbezüglich und auch bezüglich des Organisationsdesigns einer genauen Analyse unterziehen: „Führende Wissenschaftler wie Henry Mintzberg haben nachgewiesen, wie sehr das Organisationsdesign und andere strukturelle Faktoren die Denk- und die Verhaltensweisen der Menschen in Unternehmen beeinflussen.“ (2)

Was im Konzern als bereichernd erlebt wird, kann in einem mittelständischen Unternehmen einfach deplatziert wirken. Jede Persönlichkeit steht in einer Wechselwirkung mit dem Kontext.
Je besser sie sich in die Menschen hineinversetzen kann, an ihren aktuellen Gefühlen teilhaben kann, um so besser kann sie auch neue Inhalte vermitteln.

Die Fähigkeit, sich auf die Gemütslage anderer Menschen einzustimmen und innerlich mit ihnen zu gehen, bezeichnet man auch als affine Schwingungsfähigkeit.

  1. Affin sein sollte, wer Meinungsführer werden will

Diese Fähigkeit unterscheidet nicht nur zwischen einem guten und einem schlechten Verkäufer: Sie entscheidet auch darüber, wie sich Menschen miteinander auf ein Ziel zubewegen können. Eine Gruppe, in der diese Affinität den anderen gegenüber eher selten vorkommt, ist immer auch eine Gruppe, die zu Selbstschutzmechanismen neigt. Der Grund hierfür ist einfach und seit langem bekannt: Fühlen ist eine Art inneres Sehen. Fühle ich, dass jemand mit meinen Gefühlen ein Stück weit mitgehen kann, entsteht mehr Vertrauen, als wenn jemand nur mit korrekten Sprechblasen daher kommt. Ich fühle mich „gesehen“. Eine Art Zugehörigkeitsgefühl entsteht – wenn auch vielleicht nur temporär. Entspricht dieses nicht einem der sechs Grundbedürfnisse des Menschen?

Wie nennt das der Volksmund? „Die Chemie stimmt“ oder auch „es muss passen“.

Könnte es sein, dass dieser Faktor auch maßgeblich am Erfolg des Feedbacks beteiligt ist?

  1. Feedback

Paul Green, Doktorand der Harvard Business School, vertritt eine steile These.
Sie lautet:

„Feedback ist wirkungslos.“

Damit stellt er nicht nur unzählige Stunden geleisteter Personalarbeit, sondern auch umsichtig entwickelte Modelle in Frage. Den Beleg für seine Behauptung möchte er nicht schuldig bleiben:
Er ergibt sich aus einer Untersuchung an einem 300 Mitarbeiter starken Unternehmen. Aus der gegenseitig durchgeführten Bewertung ergab sich in der Folge die Erkenntnis, dass negatives Feedback lediglich zu einem Wechsel führte.

Die Mitarbeiter, die sich in ihrem Selbstbild durch das negative Feedback erschüttert sahen, suchten danach nicht etwa Besserung durch persönliche Veränderung. Sie suchten sich ein neues Umfeld – eben Menschen, die sie nicht so negativ sahen. Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass es nicht einfach nur um eine Art Fehlermeldung ging: Es ging um die Erschütterung des Selbstbildes durch ein Feedback, welches deutlich negativer war als das persönliche innere Zwiegespräch den Empfängern des Feedbacks widerspiegelte.

Die Folge des Geschehens wurde Green zufolge von einer eisernen Regelmäßigkeit bestimmt:
Wenn die Gesprächspartner aufeinander angewiesen waren, suchten sie sich im Anschluss an das Feedback neue soziale Kontakte, ein neues Netz. Waren sie dies nicht, verschwanden sie einfach aus dem „Geschehen“.

„Shoppen nach Bestätigung“ nennt dies Paul Green. (3)

Meinungsführer werden bedeutet, auch ein Umfeld für bestimmte Leistungen oder eine bestimmte Denktradition zu schaffen. Lassen sich große Ziele erreichen, ohne die Angreifbarkeit des menschlichen Selbstbildes in Betracht zu ziehen? Ich meine nein.

Persönlich könnte ich nicht sagen, dass Feedback mich nicht verändert hat. Geschah es allerdings auf dem Boden einer persönlichen Aversion, habe ich nicht die gleichen Ergebnisse gesehen.

Vielleicht hat dieser ganze Themenkomplex auch mit diesem Sprichwort über das Beurteilen zu tun. Sie kennen ihn:

„Urteile nie über einen anderen, wenn du nicht in seinen Schuhen gelaufen bist.“

In diesem Zusammenhang hat sich ein neue Erwartungshaltung heraus gebildet. Verstärkt ist es nicht das Wissen, welches einen Menschen in den Stand der Vertrauenswürdigkeit hebt, sondern die Erfahrungen: „Zeig mir deine Narben. Lass mich sehen, was du durchgestanden hast.“ Es ist die Fähigkeit zur Empathie, die auch durch einen Reifeprozess entsteht, die zur Vertrauensbildung führt.

So kann dann auch das Ergebnis von Feedback stark unterschiedlich ausfallen – je nachdem, von wem es kommt. Ich kenne Menschen, die können einfach alles sagen – und erzeugen eine nachdenkliche Reaktion, ein “in-sich-gehen”. Andere rufen mit ihren Äußerungen eine Abwehrhaltung hervor. Die persönliche Autorität ergab sich meiner Beobachtung nach meistens aus dem Erfahrungswissen, aus dem Empfinden tiefen menschlichen Verständnisses her. Weitaus seltener geschah eine Verhaltensänderung bei jemandem, weil der Feedback – Geber einen akademischen Abschluss hatte oder auf einer höheren Hierarchiestufe stand.

Nebenbei bemerkt existieren in anderen Kulturen auch andere Formen von Kritik. Die direkte Kritik, wie sie hier unter der Flagge der Ehrlichkeit gepflegt wird, gilt in anderen Kulturen schnell als beleidigend, ja sogar als direkter Affront.

  1. Der Jargon

Die eigene Sprache ist wichtig. Die Ausdrucksweise besteht nicht nur in Worten, sondern auch in zugehörigen Gesten und Blicken.

Auch besteht der eigene Jargon in dem, was man nicht sagt.

Wer Meinungsführer werden will, tut sich einen großen Gefallen, wenn er seine Ausdrucksweise immer wieder mal neu abstimmt: Irgendwann mal hat sich manche Gestik überlebt oder der Inhalt wird mit einer komplett neuen Bedeutung belegt.

Auch wirken die Worte einer Persönlichkeit nach fünf oder zehn Jahren nicht mehr wie früher. Die eigene Weiterentwicklung lässt einen aufgewerteten oder etwas frischeren Wortschatz nötig werden.

(Können Sie sich noch erinnern, als irgendwann mal alle möglichen Akademiker jenseits der 40 „affenturbogeil“ sagten? Das meine ich nicht mit Auffrischen.)
Vielmehr stelle ich mir ab und zu die Frage „Passt mein Reden noch zu meiner Denke? Oder stammt es aus einer früheren Entwicklungsstufe? Welches Wort könnte den Inhalt besser reflektieren?

Charisma ergibt sich auch aus einer konstanten Weiterentwicklung der persönlichen Ausdrucksweise.
Ein weiterer Vorteil ist, dass so eine ab und zu durchgeführte Runderneuerung der Betriebsblindheit vorbeugt.

Hilfreich ist hier nicht nur das Lesen, sondern auch die Ausdrucksweise anderer Kulturen.
Ich liebe, wie die Amerikaner manche Dinge formulieren. So ist ein Kleid nicht unbedingt „zu eng“.
Oh nein. Es ist ein Kleid, welches „nichts verzeiht“.
Diese Ausdrucksweise findet man auch in anderen Kulturen bezüglich des Alters: „Die Jahre verzeihen nicht.“ Charmant, finden Sie nicht?

Der Jargon trägt wesentlich zur Eloquenz bei. Wer Meinungsführer werden will, sollte eine Balance zwischen wertschätzenden und provozierenden Formulierungen herstellen können.

  1. Nicht Ihre Fachkompetenz ….

…. Sondern Ihre Fähigkeit standzuhalten ist mitunter gefragt.
Je nachdem, wie groß die Veränderung ist und welche Menschen sie betrifft: Manchmal geht es nur darum, wer wieviel Schmerz aushalten kann.

Diese Phasen erfordern andere Fähigkeiten als Phasen, in denen es um die Eroberung neuer Segmente geht.

Wer Meinungsführer werden will, sollte sich auf diese Phase einstellen und eine gute persönliche Strategie für sich haben. Naturgemäß sieht diese anders aus als während der Phase der Eroberung: Die aggressiven persönlichen Infragestellungen können sich wesentlich von denen der Eroberungsphasen unterscheiden.

Vergleichbar ist das mit einer Umstellungsphase beim Sport: Werden neue Muskeln beansprucht oder in einem höheren Umfang beansprucht, entstehen diese Empfindungen wie z.B. Muskelkater.
Es ist ein Hinweis auf eine Umstellung, auf eine Veränderung im Körper. Sie erfordert andere Maßnahmen zur erfolgreichen Unterstützung als während der aktiven Phase der neuen Trainingseinheit. Dies beginnt bereits bei der Art, wie Sie diese Veränderung empfangen:
Schon die Wortwahl, die Sie hier treffen, kann über Ihr Durchhaltevermögen und somit Ihren langfristigen Erfolg entscheiden.

  1. Das „Küchen – Kabinett“

Wer Meinungsführer werden will, sollte einen sehr umsichtigen Umgang mit Menschen pflegen. Hier spreche ich nicht von einer arroganten Haltung, die z.B. Menschen ohne akademischen Hintergrund, oder mangelnden Bekanntheitsgrad ausschließt.

Meiner Erfahrung nach ist dieses Bonmot zutreffend, nach welchem wir der Querschnitt der fünf wichtigsten Menschen in unserem Leben werden.
Irgendwann findet sich dieser Querschnitt an Niveau, an inneren Haltungen, an Ehrlichkeit und Weltsicht in uns wieder. Ob das Ganze so weit geht, dass wir mit einer fünffachen Wahrscheinlichkeit eher anfangen zu rauchen, wenn der Freund unseres Freundes raucht, weiß ich nicht.

Die Amerikaner sprechen hier übrigens vom „kitchen cabinet“. (Küchen – Kabinett) Dieser Begriff umreißt eine Gruppe von Menschen, mit denen ein Entscheider außerhalb seines beruflichen Umfeldes mal Dinge besprechen kann.
Diese Gruppe von Menschen könnte man als „social think tank“ ansehen. Sie verfügen über ein großes Maß an besonderen Begabungen oder einfach einer extrem großen Lebenserfahrung.

Hier könnte sich z.B. auch die weise Großmutter befinden, die nicht nur ein großes Maß an Menschenkenntnis hat, sondern auch eine überaus exzellente Voraussicht auf Entwicklungen „aus der Tasche ziehen“ kann. Wir hatten mit meiner Großmutter so jemanden in der Familie. Oma hat interessanterweise auch Dinge gehört, die alle anderen nicht bewusst wahrgenommen haben….

So ein „kitchen cabinet“ sollte man frühzeitig in sein Leben holen. Je größer die Qualität dieser Gruppe ist, um so länger dauert das Wachstum.
Wer Meinungsführer werden will, sollte rechtzeitig lernen, die „hater“, also diese süßlich – falschen Menschen, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und einem irgendwann in den Rücken fallen, zu identifizieren. Leider ist das mit steigender sozialer Intelligenz dieser Menschen nicht immer ganz einfach…
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass man äußerst vorsichtig ist, wen man wirklich nahe an sich heran lässt. (Je größer die Mission, desto größer die Vorsicht.)

  1. Die Zitierfähigkeit

Diese große Fähigkeit erfordert eine enorme Selbstdisziplin. Besonders für den Menschen, der als Impulsgeber häufig zu Dingen gefragt wird, bedeutet sie ein hohes Maß an Selbstreflexion.

Wer Meinungsführer werden will, sollte nicht nur auf das achten, was er an eigenen Meinungen kundtut. Hier geht es auch darum, sich nicht zu einer Aussage hinreißen zu lassen. Zukunftskritisch kann zum Beispiel die Frage sein, wer einen bestimmten Begriff in ein Gespräch eingeführt hat.

Viel kommt auf den Rahmen an, in welchem ein Gespräch stattfindet: In einem vertrauten, kleinen Rahmen ist es oft nicht mehr nötig, sich gegen jedes Missverständnis abzusichern.
Wird die Audienz allerdings größer, gilt das Gesetz der Mehrdeutigkeit.
Auch, wenn die Äußerung gut gemeint ist – ist eine unbeabsichtigte Verwendung durch andere Gruppen abzusehen?

Wer Meinungsführer werden will, sollte sich hier keinerlei Bequemlichkeit gönnen. Ein sehnsüchtiges Schielen in Richtung der Menschen, die „einfach so ihre Meinung sagen können“ verführt leicht zu Unvorsichtigkeit.

Wer Meinungsführer werden will, sollte sich im Klaren darüber sein, dass er in mit zunehmender Relevanz diesem Druck ausgesetzt ist.
Um ihn mit einem hohen Maß an Lebensqualität und auch erfolgreich zu meistern, sollte er im Vorfeld für belastbare Ressourcen sorgen.

Hier kann das Arbeiten mit einem seriös ausgebildeten Coach Sinn machen: Nicht nur Infragestellungen beruflicher Natur können mithilfe eines Coaches bewältigt werden.
Auch Aufgabenstellungen in der Partnerschaft können oft leichter und schneller bewältigt werden, als durch pures „Aussitzen“. (Welches bei weitem auch nicht in jedem Fall zum Erfolg führt – sondern lediglich zum „Verparken“ der Problematiik.

Eine Situation einzuschätzen und zwischen „Aussitzen“ oder „externer Unterstützung“ die richtige Wahl zu treffen trägt langfristig zum Erfolg eines Meinungsführers bei.

Kontakt: 
Patrizia Becker
0711/ 54 09 64 97
0175/ 22 45 146
Mail: info@erfolgmitstil.de

(c) info@erfolgmitstil.de, Patrizia Becker
Alle Rechte liegen beim Verfasser.

Literaturquellen:
(1) Goalcast, das Online Magazin mit zahlreichen Biographien zur Erreichung persönlicher Ziele
https://www.goalcast.com/2018/08/28/jeff-bezos-wake-up-terrified/?fbclid=IwAR152qQP_kUnBSgJ-1POlYOPu6AHE7yRPEFuc4131yzzX5ZU_2jUWtJxUow

(2) Harvard Business manager
FAKTOR KULTUR
Artikel “Eine Frage der Kultur”
Autoren: Boris Groysberg, Jermiah Lee, Jesse Price und J Yo-Jud Cheng
Zitat Seite 30

(3) Harvard Business manager
FAKTOR KULTUR
“Feedback ist wirkungslos” Seite 16
Interview von Scott Berinato, Redakteur der Harvard Business Review mit
Paul Green, Doktorand an der Harvard Business School

Autor: Patrizia Becker
https://plus.google.com/u/0/+PatriziaBecker

 

Related Post