Schwarz im Business

Schwarz im Business Schwarz im Business: Faszination oder Fehltritt

Früher war alles einfacher.Zum Beispiel das mit den Farben:

Rot, das gab es ganz früher nur für die Königin. Niemand außer der First Lady wäre auf die Idee gekommen, Rot zu tragen. Denn Rot weckt Aufmerksamkeit – und das steht im besonderen Maße nur der Hauptperson zu.

„Und wenn wir früher einer Oma in Schwarz begegneten, dann wussten wir:
Oh, da ist der Mann gestorben. Vor noch gar nicht langer Zeit. Hier musst du jetzt besonders höflich sein und besonders auch sehr leise. Damit es ihr nicht noch schlechter geht.“
(Die offizielle Trauerzeit betrug ein Jahr.)

So war das früher. Einfach einfach.

Schwarz: Die Starbesetzung in vielen Rollen

Haben Sie auch schon mal einen Film gesehen, in dem ein Star in mehreren Rollen zu sehen ist?
Ähnlich ist es auch mit Schwarz: Diese Farbe signalisiert stets einen hohen Anspruch.

Genau wie ein Star steht diese Farbe für einen bestimmten Charakter. Und für einen anderen eben nun mal nicht.

Die vielen Rollen des Charakterfaches

Schwarz steht für Trauer. Aber auch für Anarchie, für Eleganz, für einen bohèmen Freiheitswillen, (oder, weniger elegant formuliert für Rock’n Roll)für Sexyness und ….

Schwarz verzeiht

Die Amerikaner haben eine Formulierung, die ich total klasse finde: Sie sprechen von einem „must unforgiving dress“. Zu Deutsch: Ein Kleid, welches nichts verzeiht. Meistens ist dies die sehr höfliche Umschreibung für eine Person, die sich – extrem wohlbeleibt – in eine Klamotte für „Hungerhaken“ gezwängt hat. So gibt es auch Farben, die verzeihen – und Farben, die jeden Fehler gnadenlos bloßstellen. Schwarz verzeiht. Übrigens nicht nur ein geringer wertiges Material, sondern auch mal ein höherwertiges Gewicht. Schon sympathisch, irgendwie.

Das Gegenteil von Schwarz

Übrigens ist das Gegenteil von Schwarz im qualitativen Sinne nicht unbedingt Weiß. Das Gegenteil in diesem Zusammenhang ist Grau. Grau können Sie eine geringe Qualität sofort ansehen. Ist das Material billig, tendiert Grau zur Optik eines Putzlappens.

Geht gar nicht

Von wegen sportiv und so. „Schwarz“, da sind sich doch noch viele Führungskräfte in der Wirtschaft einig,  „Schwarz geht gar nicht“. In den höheren Riegen der Unternehmen mag man ja keine Krawatte mehr tragen, aber Schwarz, das ist in manchen Unternehmen eben doch noch die Variante „Oma gestorben?“  Hier spreche ich nicht von der coolen Lederjacke, die man so am Casual Friday am Leib spazieren trägt. Hier spreche ich von einem Anzug oder einer Kombi.
„Schwarz“ so lässt mich der äußerst gepflegte Verkaufsleiter wissen, „Schwarz geht gar nicht.“

Zwischen Anarchie und Sport

„Bisschen außen und eloquent“ könnte man den Ort umschreiben, wo Schwarz doch geht.
Bei Mini zum Beispiel. Oder adidas oder so. Im Sport und Lifestyle-Bereich eben.
Da ist das chic. Sogar mit T-Shirt. Über dem durchtrainierten Körper. Oder eben nicht „Mainstream-gestylt“, aber total gepflegt.
Doch, doch, Schwarz geht schon. Aber man muss wissen, wie.
Und im Lifestyle-Bereich, zu dem z.B. der Sport und die motorisierte Stilikone der 70-er gehören, geht das allemal. Wenn man bisschen angeben will mit „H“ am Gürtel. Wenn nicht, dann ohne.
Wichtig ist eben, dass das Ganze selbstverständlich wirkt. Lässig. Wer aussieht, als hätte er drei Stunden vor dem Spiegel rumüberlegt, verschenkt die coole Wirkung: Angestrengtheit überträgt sich auf den Betrachter. Schwarz lebt vom gekonnten Umgang mit dem Akzent.

Schwarz: Das Leben mit dem Akzent

„Im Krieg und in der Politik kommt es auf den Zeitpunkt an“ hat ein schlauer Kopf mal gesagt.
Mit Schwarz ist es ähnlich: Hier kommt es auf das Accessoire an. Im Gesicht, am Gürtel, als Textilie – egal. Nur Schwarz, das gibt dem Ganzen das Flair eines Sensenmannes. Bisschen Glanz und Glamour müssen sein.  Durch Accessoires lenken Sie Blicke – und Einschätzungen.

Wie aufwändig Ihr Styling hierbei ist, bestimmen natürlich Sie allein.
Behalten Sie dabei im Hinterkopf, dass wir Menschen ganz einfach gestrickt sind. Und zu viele Reize in uns ein Ressentiment, also eine Abneigung auslösen können.
Deshalb hier nur zur Information ein paar Punkte, die unser Auge und unser Gehirn aktiv verarbeiten müssen, wenn wir jemanden betrachten: Und, wie es sich für eine ordentliche Wissenschaft gehört, (naja…) erhalten Sie das Ganze auch in einer Art „Punkteprogramm“ verpackt.

  • Die Haare: Kurz oder Pferdeschwanz sind ganz einfach. Undercut, oder auch ein cooles 10-Finger-Styling sind dagegen schon ein Blickfang. Werten Sie das ruhig als Akzent oder wie ein Accessoire. Ein Punkt.
  • Brille? Ein Accessoire. Ohne Rand? Ein Punkt. Als modisches „Nasenfahrrad“ mit einem breiten, schwarz-weißen Rand? Zwei Punkte.
  • Make-Up? So richtig mit Lippenstift und Wimperntusche und so? Ein dicker Punkt für ein Accessoire. Übrigens gilt ähnliches auch für die Herren: Wenn Ihre Augenbrauen so richtig schön in Form gebracht sind und Ihr Bart den selbstverständlichen hohen Pflege-Status aufweist: Dann haben Sie hier einen weiteren Punkt „verbraten“. Und für farbigen Nagel-Lack. Ein Punkt.
  • Klar: Ketten, Tücher am Hals und in der Tasche des Jacketts, das ist jeweils ein Accessoire, ein Punkt. Mehrere Ketten, so wie im Moment als Layer-Look modern, das sind eben auch mehrere Punkte. Gleiches gilt für Ringe. (Oder eben für Tattoos, Ohrringe usw….)
  • Sie tragen ein T-Shirt in einer auffälligen Farbe?
    So eins mit Aufdruck oder eben auch nur mit einer veredelten Stoff-Variante?
    Selbst unter dem Jackett ist das ein weiterer Punkt.
  • Gürtelschnalle? Ein Punkt.
  • Uhr? Ein Punkt. Oder zwei, wenn Ihr Zeitmesser sehr aufwändig ausgestattet und opulent ist..
  • Auffällige Knöpfe oder Reißverschlüsse am Jackett oder an Ihrer Jacke? Oder ganz viele Reißverschlüsse? Ein Punkt. Oder sogar zwei Punkte….
  • Rote Schuhe zum dunklen Anzug? Sie ahnen es…..

Und weil all das hier vielleicht richtig, aber sehr kompliziert klingt, gehen wir das jetzt einfach mal in zwei Beispielen durch:

Exzentrik und modische Opulenz: Karl Lagerfeld

Der Maître lebt in der Welt der Mode. Da darf es gerne etwas mehr sein.
Anders ausgedrückt: Understatement kann schnell als Farblosigkeit ausgelegt werden.
Und da Lagerfeld  als Person auch für eine exzentrische Wirkung steht, interpretiert er „Schwarz“ auf seine Weise:
Mit Pferdeschwanz. Und Brille. Und großformatigem Schmuck oder gebundener Schleife. Und ganz vielen richtig dicken Silber-Ringen. Und Fächer. Und farblichem Kontrast.
Und Katze. Und enger, extravaganter Kleidung. Dick aufgetragen eben – dabei passt alles zu seiner Persönlichkeit und alles ins Umfeld. Lagerfeld, das ist einer, der ganz genau weiß, wie er sich in Szene setzen kann. Getreu des Mottos „Gib den Menschen nicht, was sie wollen. Gib Ihnen, wovon sie niemals zu träumen wagten.“

Minimalistisch und hochwertig: Steve Jobs

Der unvergessliche Steve Jobs erhob die Farbe Schwarz ebenfalls  zu seinem Markenzeichen.
Gegenstand der Ikonisierung war hier sein Rolli, bezeichnend für einen ganzen Berufszweig: Ja nix korrektes mit „Kulturstrick“ (Krawatte)  und vielen Knöpfen. Lässig lautet die Vorschrift für diese Branche.
Wie sagte mir mal ein IT-ler mit mitleidigem Blick?
„Frau Becker, ein IT-ler baut keine Garderobe auf.“ Er schon. Und zwar eine mit Statement-Charakter:  Lässig. Nobel. Einprägsam.

Auch mit seinen legendären Auftritten hob Steve Jobs das Mobil-Telefon in den Stand eines Lifestyle-Musthaves: Stylish und einfach zu bedienen.
„Think like there is no box.“ liess er uns als Vermächtnis da. “Denke, als gäbe es keine Grenzen.”

Ikonisierung kann so einfach sein…

Wo die Macht zuhause ist

„Ein stabiles Statement der Macht“ hat die Autorin Bettina Seipp diese Farbe umschrieben.

Sie erforschte die Farben von Luxus-Hotels – und begegnete dabei der Kleidungs-Farbe Schwarz als Mischung aus Vornehmheit und Macht.
Selbstverständnis als stille Übereinkunft. Wirkmächtig…

Hintergrund für den Vordergrund

Die Farbe Schwarz gleicht einer Bühne. Konsequent zu Ende gedacht verlangt sie nach einem Referenzpunkt: Ihrem Statement. Wer sind Sie?

Ihr Statement

Wer sind Sie in Ihren eigenen Augen? Und wer wollen Sie in den Augen der anderen sein?
Ihr äußeres Erscheinungsbild drückt aus, wie Sie „ticken“. Hinweise auf Ihren Denkstil, auf Ihre Weltsicht und auf Ihr Selbstverständnis wird Ihr Gegenüber hier zuerst ablesen.

„Ersten Eindruck“ nennt man das. Wir tun eine Menge von Dingen, um diesen ersten Eindruck zu gestalten. Und Fachleute aus der Welt des Luxus und der Denkfabrik wiederum tun eine Menge, um uns dazu zu bringen, eine Menge zu tun. Denn so ein Statement, das kann einen schon eine Menge kosten: Zum Beispiel der Buchstabe „H“.

Der Buchstabe „H“

Um ihn sichtbar zu machen werden Pullover nach oben und Kontostände runtergezogen. Das „H“ ist ein Statement. „H“, das steht für Hermes. Und Hermes steht für ein französisches Unternehmen, welches irgendwann mal das große Glück hatte, eine Reitertasche zu produzieren, die einer Fürstin gefiel. Und weil diese unvergessliche Primadonna des erlesenen Geschmacks ihr Seidentuch um die Tasche und nicht um den Hals trug und alle das unglaublich lässig fanden, deshalb stehen diese Artikel heute weltweit für geschmackliche Arriviertheit. Und diese Arriviertheit wiederum steht für Unnachahmlichkeit.

Hand aufs Herz: Wollen Sie, dass man Sie einfach nachahmen kann?
Also leicht austauschbar sein? Ich auch nicht. Und um das auszudrücken geben wir Geld aus für so ein Statement. Lässigkeit und großer  Geist, das hat was. Oder anders ausgedrückt:
Wenn jemand zu mir sagt „Ick bin jenau so’n eenfachet Licht wie du“ dann weiß ich, ich habe heute etwas falsch gemacht. Zumindest in meiner Welt.

Die Welt, in der wir leben

Ein sehr hässliches Wort, genau genommen eines der hässlichsten Worte, die ich kenne, heißt „Geltungskonsum“. Dieses Wort stammt aus dem wissenschaftlichen Bereich und umreißt die Gruppe von Menschen, die ihre Zugehörigkeit über teure Marken ausdrücken.

Etwas netter klingt da „Marken geben Orientierung“. Im klassischen Marketing-Sprech unterscheidet man zwischen den Menschen, die ihre gesellschaftliche Zugehörigkeit über Marken ausdrücken und denen, die das nicht tun. „Marken-affin“ nennt man die ersten.

Sie mögen Marken? Und es entspricht Ihrem Lebensgefühl, mit der Zeit Schritt zu halten?
Ich empfehle Ihnen, sich Ihr persönliches Statement zu erarbeiten. In Form einer cleveren Reduziertheit. Im Business-Bereich ist Fokussierung ein hoch priorisierter Wert. Ihr Stil-Statement gibt einen HInweis, wie gut Sie diese Kunst beherrschen.
Aber gehen wir doch mit etwas Mut zur Hässlichkeit noch einmal zurück zu dem Wort „Geltungskonsum“.

Geltungskonsum

Vornehme Unaufgeregtheit zählt man nicht zu ihren Stärken. Und an mancher Stelle empfindet man sie sogar als etwas peinlich, weil optisch „zu laut“. Also, wenn Sie ein „H“ am Gürtel haben und eine „Rolex“ am Arm und Sie achten drauf, dass auch jeder sieht, wie Sie den teuersten Champagner bestellen, während Sie in Ihrem Tom Ford-Anzug aufstehen – ja dann gehören Sie definitiv zu einer „Kaste“ nicht: Der des Unterstatements….

Zurückhaltung

Das Understatement arbeitet mit dezenten Signalen. Ewigkeitswerte dominieren über kurzlebige Trends. Sie lieben diesen Stil? Dann liest sich das Ganze wahrscheinlich so:
Ihre Gürtelschnalle ist hochwertig. Wie Ihre Kleidung. Ihren Schmuck kaufen Sie ein mal. Dafür geben Sie mehr aus – aber haben ihn dann ein Leben lang. Kleidungs-Stücke berechnen Sie in ihrem Wert nach der Formel „Anschaffungs-Preis geteilt durch Tragehäufigkeit = realer Wert“.

Die Wahrung der Form ist Ihre Sprache. Die Klasse Ihres Haarschnittes sagt über Sie schon viel. Und Ihre Art, mit Gestik und Mimik Ihre Meinung klar aber zurückhaltend zum Ausdruck zu bringen, hat was. Natürlich sprechen Sie auch Klartext. Aber die drastische Variante heben Sie sich für seltene Momente auf. Weil Sie genau wissen, Ihre Klaviatur zu bedienen, bringen Sie die lauten Akkorde vorausschauend zum Einsatz.

„Passt“

Dem Kenner offenbart sich auf den ersten Blick, ob ein Auftritt in sich stimmig ist. „Kongruenz“ nennt man das auch. Alles passt irgendwie zusammen und passt auch zu Ihnen. Und idealerweise zum Anlass, zum jeweiligen Umfeld. Und da kann es dann zu den unmöglichsten Momenten kommen, die so auch nicht reproduzierbar sind. Wie sagte mal jemand über Marlene Dietrichs großen Auftritt? „Nichts passte zusammen, aber alles zu ihr.“ Es gibt diese Menschen. Und diese Momente.

Ein exzentrisches Stil-Statement gehört eher in den Bereich der Mode oder des Zeitgeist-orientierten Lifestyles.
Oder in den Privatbereich. Eine überzeugende Wirkung tritt übrigens dann ein, wenn Sie als Persönlichkeit diese Exzentrik auch in sich tragen – und mit ihr auch verbunden sind. Einmal alle zehn Jahre wie Phoenix aus der Asche zu steigen und z.B. den Revoluzzer zu mimen, das erzeugt leider oft unfreiwillige Komik. Bleiben Sie gut mit sich selbst verbunden, indem Sie diese Facette Ihrer Persönlichkeit auch ausleben. Dann wird auch Ihr Stil-Statement etwas Aufsehenerregendes haben. Authentisch. Unnachahmlich. Wie hat Liza Minelli mal gesagt? „Das, was ich in der Einsamkeit bin, was ich zuhause bin, das bringe ich mit auf die Bühne.“
(Selbstverständlich gilt das auch für Herren.)

Sind Sie eher ein Mensch, der daran arbeitet, nicht aufzufallen? Dann ist das Understatement Ihr Stil. Dieser Stil lebt vom Solitär-Charakter. EIN Akzent. Fertig.
Ihre Uhr. Vielleicht ist die sogar ein Erbstück. Oder eine Rolex. Oder eben nicht.
Ein Ring, sei es vom Antiquitäten-Händler oder vom Flohmarkt. Hochwertig.

Handlungs-Empfehlung:

Wenn Sie gerne Schwarz tragen achten Sie auf das Umfeld. IT, Sport und Lifestyle sehen Schwarz eher als attraktive und passende Farbe für den Business-Bereich.
Im klassisch orientierten Mittelstand dagegen könnten Sie mit dieser Wahl auf Unverständnis stoßen. Dort sind Sie mit Farben aus der Grau- und Blau-Palette besser beraten.

Interpretieren Sie „Ihr“ Schwarz. Schwarz ist nicht gleich Schwarz. Es liefert lediglich den Hintergrund für Ihren Vordergrund: Für Ihr individuelles Stil-Statement.

Bedenken Sie dabei: Marken geben Orientierung. Eine Luxus-Marke wie Hermes z.B. wird Sie eher im Bereich der Finanzdienstleistung als Sieger-Typen darstellen. Sie wissen schon: Dort, wo man auch „die dicke Karre mit den breiten Schlappen“ fährt.

Dort, wo man allerdings eher nicht „marken-affin“ ist, sondern durch dezente Zurückhaltung auffällt, könnten Sie leicht Ressentiments erzeugen. „Marken geben Orientierung“ bedeutet auch, dass Sie mit der falschen Marke zum Außenseiter werden können.

Setzen Sie hier auf einen Akzent, mit dem Sie Ihren persönlichen Geschmack zum Ausdruck bringen. Unaufgeregtheit ist hier das Zauberwort: Die Selbstverständlichkeit, mit der Sie diese Dinge tragen ist ein wichtiger Faktor Ihres Stil-Statements.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Entdeckung Ihres Stiles.

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