Unscheinbar und selbstlos. Ein Vorbild mit Strahlkraft.

Mein Vorbild, die Großmutter Was für ein Vorbild - die Großmutter.

Es gibt zwei Frauen, die nie aufhören werden, mich zu beeindrucken.
Zwei Frauen, denen ich unendlich viel verdanke.
Ihr Erbe kann kein Finanzamt besteuern, keine neue philosophische Welle jemals überlagern und auch kein Mensch überschatten. Sie sind unschlagbar.

Die Rede ist von meinen beiden Großmüttern.

Das Leben meiner Großmütter war der genaue Gegenabdruck des heutigen Lebens:

  • Ihr Wissen mussten sie sich in Alltagslektionen selbst erarbeiten, mal eben runterzuladen gab es da nichts.
  • Sie hatten keine Lobby, niemand machte sich für sie stark.
    Wie sie mit ihrem Alltagsleben klar kamen war ihre eigene Sache.
  • Sie machten aus „nix“ „etwas“.
    Wir haben ja später darüber gelacht, dass sie alles aufgehoben haben, die Älteren.
    Wenn wir hätten Kartoffelschalen braten, würzen und essen müssen um satt zu werden wären wir mindestens genau solche „Messis“ geworden.
  • Sie hatten die Fähigkeit, sich „irgendwoher“ Hoffnung zu holen. Wurde die mit „irgendwas“ belohnt, kamen sie dann schon weiter.
    (Konkret sah das dann so aus, dass meine Oma sich an irgendeiner Schlange auf dem Schwarzmarkt anstellte. Wie alle das machten. Sie konnte ein Kellerfenster ergattern. Wow.
    Das tauschte sie gegen Butter. Die brachte sie nach Hause. Dort schmierte sie sie ihren Töchtern aus Brot und sagte „Halt die Scheibe mit der Butter nach unten. Wenn die Leute sehen, dass wir Butter haben werden sie anfangen ungute Fragen zu stellen.“)
    Sie brachten ihre Kinder „irgendwie” durch.
  • Sie lebten die Werte Selbstlosigkeit, Pflicht und Fleiß für ein höheres Ziel: Es sollte uns mal besser gehen als ihnen.
  • Sie machten von sich selbst kein großes Aufheben, stellten sich nie in den Vordergrund.
    Ihre heitere Würde wurde nur von ihrem Kampfgeist übertönt:
    Dieser trat sofort in Aktion, wenn jemand an die Kinder bzw. uns Enkel ging. Wir waren der Reichtum unserer Großmütter. Alles, was sie hatten opferten sie für die Familie, die Kinder – und uns Enkel. Von ihrer schmalen Rente sparte sich meine Oma sogar ein Besteck für meine Aussteuer ab. Von ihrer Körpergröße ausgehend waren beide klein – aber von ihrer Persönlichkeit ausgehend waren sie groß. Ging es um ihre Familie, waren sie Kämpfernaturen.
    Wer uns angriff, war dumm. Sehr dumm.
  • Meine beiden Großmütter hatten eine unglaubliche Menschenkenntnis.
    Sie hörten auch Dinge, die andere niemanden wissen lassen wollten. Einfach, weil sie immer sehr aufmerksam waren für ihre Umgebung, immer für die Familie Anteil nahmen.
    Ihr Instinkt für die gefährlichen Unwägbarkeiten des Lebens konnte einem – so man denn darauf zu hören gewillt war – Jahre und Jahrzehnte an Unglück sparen.

Meine beiden Großmütter haben mich innerlich geprägt wie sonst kein anderer Mensch.
Das hier ist eine tiefe Verbeugung in Dankbarkeit.
Ich werde nie aufhören, meine beiden Großmütter zu vermissen, die in ihrem Leben aus „Nix“ „Etwas“ gemacht haben. Deren Leben von den Alltagsvokabeln „irgendwas, irgendeins, irgendwoher“ geprägt waren. Und die mich reich gemacht haben mit dem, was sie in ihrem Herzen hatten: Liebe, Standfestigkeit und Kampfgeist.

Dieser Artikel ist aufgrund einer Anregung von Jörg Unkrig/Unkrig Personalcoaching im Rahmen seiner Blogparade entstanden.