Witze erzählen: Wie Sie auf Ihr Status-Konto einzahlen – und dabei verhindern, dass man Sie hasst.

Witze erzählen Witze erzählen ist eine große Kunst der erfolgreichen Unterhaltung

Witze erzählen macht beliebt. Und nicht nur das: Eine humorvolle Persönlichkeit steht auch ständig im Rampenlicht. Witze sind klasse. Und, ganz offen: Sind nicht die am besten, die eine bestimmte Grenzerfahrung liefern? Zumindest generiert sich daher der Erfolg von TV-Serien wie Stromberg, Dr. House und ähnlich versierten Grenzgängern in Sachen publikumswirksame Geschmacklosigkeit.

Witze erzählen kann, wer den richtigen Treibstoff für das richtige Vehikel hat

Die besten Witze leben von zwei Dingen:
1. Dem Unvorhersehbaren
2. Dem Unfassbaren.

Wer es schafft, die Pointe gekonnt hinauszuzögern, die Spannung ins Unermessliche zu steigern, um dann die Rakete zu zünden der wird sich um Einladungen nicht sorgen müssen. Die Stimmungs-Kanone hat für ein Unternehmen oder eine Gesellschaft den Wert einer blauen Mauritius. (Was diese in der Regel auch sehr genau weiß.) Die Fähigkeit, eine Gruppe von Menschen in den Zustand kollektiv gespannter Atemlosigkeit zu führen und sie dann im Gemeinschaftserleben in ein Lachen hinein zu befreien verbindet:
1. Die Menschen untereinander,
2. die Menschen mit dem Unternehmen oder dem Gastgeber und
3. die Menschen mit einer Idee.
Das Erlebnis, so weiß man, ist der „Loyalty Driver“, eine Art emotionaler Verlobungs-Ring zum Hausherrn.

Ein Witz trifft ins Mark, wenn ich mich als Zuhörer darin wiederfinde. Oder die Type, die ich nicht mag. Oder eine Peinlichkeit vor meinem inneren Auge vorbeizieht – allerdings mit mir in der Rolle des „teilnehmenden Beobachters“. Mein Wertekanon sollte dabei berücksichtigt werden. Dennoch lebt ein guter Witz von der Kunst der Einfachheit. Alles klar?
Wenn Sie jetzt denken „Deutscher geht’s nimmer. Ein langer Artikel über das richtige Erzählen von Witzen….“ gebe ich Ihnen absolut Recht. Ich bitte Sie dennoch, auf mein „Mea Culpa“ zu verzichten, denn dieser Artikel kann Ihnen großen Schaden ersparen. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.

Witze erzählen mit anarchistischem Charme: Das fiese Meme des Pflichterfüllers

Scheinbar ist es eines der Merkmale aller vornehmen oder politisch korrekten Gesellschaften, dass sie sich ihren personifizierten Ausrutscher leisten. Früher war das der Hofnarr, eine Art antiker Spin-Doktor für unbequeme Wahrheiten.
In den 70-ern hatten wir Klaus Kinski, der mit Beleidigungen der Anwesenden die Einschaltquoten in die Höhe trieb. Die Franzosen durften mal einen Entertainer namens „Coluche“ zu ihren kulturellen Errungenschaften zählen – der wollte dann Präsident werden und hat es in Umfragen immerhin bis zu 16% gebracht. Ihm gehörte das Herz der französischen Intellektuellen. Kandidiert hat er dann doch nicht. Schade. Wäre lustig geworden.
Und heute? Wir sind weit weg vom netten Harmlos-Scherz eines Theo Lingen oder Heinz Erhardt. Es muss deftig sein.
Deftig à la Stromberg, dessen Humor der Faszination eines Unfalls gleichkommt. Stromberg, der unerträgliche Charaktere salonfähig macht. Hemmungslos über das witzelt, was ansonsten auf dem Index steht.  Oder Dr. House, der als emotional verwundeter Grantler in vielen von uns wohnt.

In der Historie der Clowns nimmt der Weißclown diese Rolle ein: Ein arroganter Macho, ein strategischer Vorausdenker, der seine intellektuelle Überlegenheit nutzt, um die anderen für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Ein Meme aus der Zeit vor den Massen-Medien.
Ganz zu schweigen von der langen Reihe der Comedians und Late-Night-Talker aus dem angelsächsischen Raum, denen teilweise politische Meinungsführerschaft zugeschrieben wird.
Witze erzählen, das ist Kunst auf dem Niveau der Gestaltungshoheit.
Diese wiederum bringt ihre ganz eigene Bühne hervor. Um sie erfolgreich „bespielen“ zu können sollte man den Index kennen.

Witze erzählen kann teurer werden als Alkohol am Steuer:
Über die Nogos  bei  Lachmuskel-Attacken.

Witze erzählen und als Entertainer zu faszinieren basiert auf einem hohen Maß an sozialem Instinkt und Allgemeinbildung:
Ich muss wissen, was einer Gesellschaft heilig ist, wo sie ihren neuralgischen Punkt hat. Dort wird ein verletzender Witz nämlich sehr schnell zu reflexartigen Verteidigungungs-Mechanismen führen.
Beispiel gefällig?
1. Witze über Menschen mit körperlichem Handicap sind unterste Schublade in unserer Gesellschaft.
Wer hier unterhalten will ohne zu verletzen muss schon sehr gekonnt den Respekt mit einbauen – das gelingt den Wenigsten  hier so, dass alle mitlachen können. Der Schutz von körperlich Unterlegenen hat bei uns hohen Stellenwert. Das Gleiche gilt für Krankheiten. Vorsicht: Auch bei Witzen über die Operationen amerikanischer Stars können Sie hier vor Ort ganz gewaltige Ressentiments schüren. Witze erzählen darf sich nie anfühlen, als hätten Sie etwas getrunken.
„Eine Selbstverständlichkeit“ sagen Sie? „Unnötig, das zu betonen“? Ich wünschte, Sie hätten Recht.
2. Es gibt ein Gentleman’s agreement: Auf Leute, die am Boden liegen tritt man nicht. Wer als Persönlichkeit am Boden zerstört ist genießt Schutz. Das böse Wort „Leichenfledderei“ zieht die Grenze.
3. Die Gefühle von Trauernden gelten als Tabu. Witze erzählen über getötete Kinder, ob in Form von gedruckter oder gezeichneter Satire deutet schon auf ein ziemlich niedriges Niveau hin – sich dafür noch als wagemutigen Helden zu feiern auf eine Art Größenwahn mit komplettem Realitätsverlust.
4. Witze mit sexuellen Inhalten: Ich weiß, es ist nicht mehr wie früher. Fast jeder erzählt und fast jeder lacht über alles. Fast könnte man meinen, die Grenzen guten Geschmacks gelten nicht mehr. Fast. Es wäre ein fataler Fehler.
5. Fröhliches Gegröle kann ganz toll sein. Trotzdem gehört es nicht überall hin. Zum Witze erzählen gehört ein klein wenig Vorausschau: An manchen Orten tritt man eher leise auf. Dazu zählen u.a. die Gegenwart großer Persönlichkeiten, Kirchen und Trauergesellschaften. Hier Witze erzählen und eine große Geräuschkulisse zu produzieren ist ein ziemlicher Fauxpas.

Witze erzählen als Ausstiegs-Szenario: Wie Sie eine Situation wieder „entkrampfen“

Witze erzählen ist eine hilfreiche Methode um eine gespannte Situation zu entschärfen. Dabei ist allerdings nicht nur Ihr Geschick als  Entertainer sondern auch das als Moderator gefragt: Wenn Sie das Gespräch steuern und eine gute Atmosphäre für alle Beteiligten herstellen wollen müssen Sie darauf achten, dass es keine Verlierer gibt. Geht Ihr Witz zu Lasten einer der Anwesenden „verschlimmbessern“ Sie das Ganze. Nicht nur Ressentiments sondern auch eine deutliche Verschlechterung Ihrer Reputation wären die Folge. Nicht selten ist eine Bloß-Stellung auch mit einer Beschwerde oder gar einem Rache-Akt verbunden.

Fazit: Witze erzählen und Ihren Status sowie den Ihres Unternehmens zu steigern ist große Erzähl-Kunst. Sie bedarf nicht nur der Empathie, sondern auch eines messerscharfen sozialen Instinktes.
Ich wünsche Ihnen bei Ihren nächsten „Runden“ viel Erfolg!